Tag 359: Weiterfahrt Marrakech

Veröffentlicht am 25. November 2025 um 18:55

Eigentlich hatten wir für heute gar nicht so viel geplant. Unser einziger wirklicher Programmpunkt war die Weiterreise nach Marrakech und wir stellten uns das alles recht unkompliziert vor. Doch wie sich herausstellen sollte, wurde es einer der anstrengendsten, skurrilsten und nervenaufreibendsten Reisetage überhaupt.

Der Tag begann früh – um 6:30 Uhr klingelte der Wecker. Verschlafen und noch halb im Traumland packten wir unsere Rucksäcke zusammen, stopften die letzten Sachen hinein und machten uns dann ans Frühstück. Viel war es nicht, nur ein Ei und ein Stück Brot, aber immerhin etwas, bevor es losging.

Kurz darauf bestellten wir uns schon ein Taxi zum Busbahnhof, denn wir hatten im Voraus einen Bus nach Marrakesch gebucht. Alles schien nach Plan zu laufen, doch kurz bevor wir den Busbahnhof erreichten, blieb der Taxifahrer plötzlich am Straßenrand stehen. Er drehte sich zu uns um und meinte, er dürfe nicht direkt hineinfahren – er sei kein offizielles Taxi. Wir müssten ihn heimlich hier bezahlen und den Rest des Weges zu Fuß gehen. Gesagt, getan. Wir wollten ja schlicht unseren Bus erreichen.

Doch sobald wir ausgestiegen waren, traf uns die Realität wie ein Schlag. Die Gegend war eine Katastrophe: Überall Müll, Gestank, Kotze, Menschen, die uns sofort unangenehm ins Auge fielen. Wir gingen einfach mal los, ohne genau zu wissen wohin, und wurden sofort von mehreren Männern angesprochen, ob wir Tickets bräuchten. Instinktiv packten wir unsere Handys und Wertsachen tief in die Taschen – alle sahen irgendwie schmierig aus, viele wirkten merkwürdig aufdringlich.

Ein Typ kam irgendwann auf uns zu, zeigte gestenreich eine Straße entlang und erklärte, am Ende rechts würde unser Bus stehen. Laut unserem Handynavi sollten wir aber eigentlich nach links gehen. Trotzdem beschlossen wir, dem Mann zu vertrauen – vielleicht wusste er ja mehr. Doch an der angegebenen Stelle war niemand. Keine Menschenseele, keine Busse unseres Unternehmens, nichts. Wir liefen weiter, doch unser Unternehmen stand nirgends.

Wir wollten schon wieder umdrehen und dem Navi folgen, doch weit kamen wir nicht, denn plötzlich stellten sich uns wieder drei Männer in den Weg. Sie behaupteten erneut, wir seien falsch, und einer fragte plötzlich: „Marrakesch um 9:15?“ – genau unser Bus. Wir nickten, doch bevor wir etwas sagen konnten, fingen die Männer lautstark an zu schreien und miteinander zu streiten. Wir standen daneben wie zwei verwirrte Touristen in einer absurd schlechten Filmszene.

Schließlich „gewann“ einer der Männer das Geschrei und bedeutete uns, ihm zu folgen. Viel Wahl hatten wir ja nicht, also gingen wir wieder zurück zu den Bussen. Dort zeigte er schließlich auf einen Bus – aber wieder nicht unserer. Wir erklärten erneut, dass wir bei einem ganz anderen Unternehmen gebucht hatten. Der Mann winkte nur ab und meinte, es sei trotzdem der richtige. Ein zweiter Mann kam dazu und forderte uns auf, einfach die Rucksäcke einzuladen und einzusteigen.

Wir fühlten uns alles andere als sicher. Deshalb blieben wir erst einmal bei den Rucksäcken stehen und stiegen nicht ein. Irgendwann setzte ich mich dann doch in den Bus, einfach um nicht noch mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Ein paar Minuten später meinte der Fahrer, wir würden bald losfahren, und Kosi kam zu mir. Außer uns waren nur eine ältere Dame, der Fahrer und der Mann da, der uns hergebracht hatte, an Bord.

Ach ja – fast hätte ich es vergessen: Natürlich wollte der Mann auch noch Geld von uns haben, für uns und für die Rucksäcke.

Plötzlich, um 8:50 Uhr, fuhren wir los – obwohl unser Bus eigentlich erst um 9:15 Uhr starten sollte. Wir waren verwundert, doch die Verwunderung sollte nicht weniger werden. Denn nach nur fünf Minuten hielten wir wieder an und auf einmal stürmten mehrere Männer in den Bus. Sie waren ungepflegt, stanken und versuchten, uns irgendwelche Waren zu verkaufen. Der Bus füllte sich immer mehr und die Atmosphäre wurde immer unangenehmer.

Kosi fragte einen der Männer, was denn gerade los sei, und der antwortete nur, dass es ein Problem gebe und wir deswegen erst in einer Stunde losfahren würden. Na gut, dann warten – dachten wir uns.

Kosi wollte jedoch die Rucksäcke nicht alleine unten lassen und stieg aus, um nachzusehen. Ich blieb im Bus sitzen und schon nach wenigen Minuten wurde mir extrem unwohl. Mehrmals sprachen mich Männer an, manche schrien herum, viele wirkten aggressiv oder aufgebracht. Der Geruch im Bus war überwältigend – eine Mischung aus Schweiß, Zigaretten, Straßenstaub und etwas Unbestimmtem, das ich lieber nicht genauer identifizieren wollte.

Immer wieder stiegen Menschen ein, gingen durch den Bus und zeigten ihre Krankheiten, um Geld zu bekommen. Ich fühlte mich von Minute zu Minute unwohler. Irgendwann kam Kosi wieder zu mir, und am liebsten wäre ich sofort ausgestiegen und hätte irgendeinen Zug genommen. Auch ihm wurde es zu viel – niemand bestätigte uns, dass dieser Bus wirklich nach Marrakesch fuhr, und niemand kommunizierte irgendetwas mit uns.

Nach über 1,5 Stunden nervlicher Belastung wurde endlich der Gepäckraum geschlossen und der Bus setzte sich in Bewegung – mit offenen Türen, damit Verkäufer weiterhin ein- und aussteigen konnten. Ich war schon kurz am Verzweifeln.

Nach etwa 15 Minuten fing Kosi plötzlich an zu struggeln. Er bekam Magenprobleme, wurde kreidebleich, fing an zu schwitzen, bekam Hitzewallungen und anschließend Schüttelfrost. Doch der Bus hatte keine Toilette, und wir hofften vergeblich auf einen Stopp. Nichts. So wurde Kosi von Minute zu Minute ruhiger und blasser. Die Fahrt zog sich endlos, wir hielten ständig, Männer stiegen ein und aus, und irgendwann gab es sogar eine Polizeikontrolle, bei der alle Ausweise kontrolliert wurden.

Einmal eskalierte es so sehr, dass der Busfahrer und ein Mitfahrer vor der Tür in eine regelrechte Schlägerei gerieten. Das einzig Positive an all dem Chaos: Unser Navi zeigte an, dass wir tatsächlich in Richtung Marrakesch unterwegs waren.

Um 14 Uhr, völlig fertig, gestresst und erschöpft, kamen wir endlich an. Auch dort herrschte Lärm, Geschrei, Dreck, Gestank – alles, was man nach so einer Fahrt absolut nicht mehr gebrauchen konnte. Wir waren einfach nur froh, endlich aussteigen und frische Luft atmen zu können.

Eigentlich wollten wir mit einer Taxi-App ein Taxi bestellen, doch wir erfuhren, dass diese in Marrakesch verboten ist. Also entschieden wir uns, die Hälfte des Weges zu Fuß zu gehen. Nach etwa 15 Minuten erreichten wir einen McDonald’s – die perfekte Rettung für Kosìs Magen. Es gab endlich eine Toilette!!!! Wir bestellten zwei Cola und Pommes und machten eine kleine Pause.

Danach ging es nochmal 20 Minuten zu Fuß weiter, bis wir endlich unser Ziel erreichten.

 

Kurz bevor wir unsere Unterkunft erreichten, schaltete ich noch einmal WhatsApp ein – und bekam sofort einen kleinen Schock. Die Unterkunft hatte uns plötzlich eine ganz andere Adresse geschickt als die, die wir ursprünglich erhalten hatten. Laut Karte wären das nochmal etwa 20 Minuten zu Fuß gewesen, und nach diesem Tag wollte wirklich keiner von uns auch nur einen Meter mehr laufen.

Also schrieben wir der Unterkunft und fragten nach, doch eine Antwort kam nicht sofort. Da wir ohnehin schon fast bei der ersten Adresse waren, beschlossen wir, einfach dorthin zu gehen und nachzusehen. Und tatsächlich – wir hatten Glück: Der Gastgeber hatte sich vertan und uns versehentlich die falsche Adresse geschickt. Die ursprüngliche stimmte.

 

Wir checkten ein, und während Kosi sich direkt auf die Couch fallen ließ – völlig erledigt – brauchte ich noch einen Moment für mich. Ich ging eine kurze Runde hinaus, atmete ein paar Minuten frische Luft und musste einfach den Kopf freibekommen nach all dem Chaos des Tages.

Danach machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Supermarkt. Wir kauften Zwieback, Cola und etwas Kleines für mich zu essen und machten es uns anschließend in der Unterkunft gemütlich. Der Abend sollte ruhig werden – Weihnachtsfilme, ein bisschen Essen, ein bisschen Ruhe. Auch wenn wir beide noch überhaupt keine Weihnachtsstimmung spüren, tat die vertraute Stimmung eines Weihnachtsfilms unglaublich gut.

 

Viel haben wir von Marrakesch heute noch nicht gesehen, aber eines können wir jetzt schon sagen: Es fühlt sich um Welten angenehmer an als Casablanca – ordentlicher, freundlicher und insgesamt entspannter. Auch das Wetter ist hier besser, und als absolutes Highlight haben wir in unserer Wohnung sogar eine Heizung. Perfekt für die Abende!

Die Unterkunft selbst ist klein, aber richtig gemütlich: etwa 30 Quadratmeter, mit einer kleinen Küche, einer Couch, einem Schlafzimmer und einem Badezimmer. Genau das Richtige für uns nach so einem Tag – einfach ankommen, durchatmen und runterkommen.

Das war’s also für unseren heutigen Tag.
Morgen starten wir mit unserem ersten richtigen Sightseeing-Tag in Marrakesch. Wir sind gespannt, was uns erwartet.

 

Bussi Baba,
Kosanni 🌙✨

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