Tag 358: Casablanca zu Fuß

Veröffentlicht am 24. November 2025 um 18:07

Kosi hatte ja gestern schon erwähnt, wie kalt die Nacht gewesen war – und tatsächlich setzte sich diese eisige Kälte heute Morgen genauso fort. Wir waren dementsprechend müde, ausgelaugt und irgendwie noch halb im Schlaf, als wir uns aus dem Bett bewegten. Gut, dass wir ein Hotel mit Frühstück gebucht hatten. Auf das freuten wir uns schon riesig, Um 7:30 Uhr machten wir uns also – noch leicht benommen und ko – auf den Weg zum Frühstücksraum.

Training ließen wir an diesem Tag ausfallen (und die Tage davor…). Der Körper hatte eindeutig um eine Pause gebeten und wir hörten ausnahmsweise mal auf ihn.

Das Frühstück selbst war dann eher ernüchternd. Es gab Brot, Honig und vier einzelne Eier – alles andere war bereits leergegessen. Dazu Kaffee oder Tee. Kurz nach acht kam eine Dame, die weiteres Brot vorbereitete, aber das sah so trocken und unmotiviert aus, dass wir lieber verzichteten. Also gingen wir zurück ins Zimmer, um uns erst einmal richtig warm anzuziehen.

Der Morgen in Casablanca ist überraschend kalt, und deshalb packten wir alles an Kleidung übereinander: Jacken, Pullover, Westen. Zwiebellook auf Maximum.

 

So machten wir uns auf den Weg zum Königspalast von Casablanca, einem der offiziellen Paläste des marokkanischen Königs. Der Palast selbst ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, aber schon die mächtigen Mauern, die kunstvollen Tore und die weitläufigen, streng bewachten Anlagen vermitteln die Bedeutung dieses Ortes. Der Palast wird häufig für staatliche Zeremonien genutzt und ist ein beeindruckendes Beispiel marokkanischer Architektur mit traditionellem Ornament und königlicher Pracht.

Kaum angekommen, holte ich mein Handy für ein Foto heraus – aber sofort war die Security zur Stelle.
„Keine Fotos vom Militär!“, rief man uns zu. Ich hatte das Militär gar nicht wahrgenommen, so sehr war ich auf die Architektur fixiert. Doch die Polizisten waren extrem freundlich und scheuchten einfach das Militär ein Stück zur Seite, damit wir problemlos ein Foto machen konnten. Vermutlich dachten sie wirklich, wir wären Influencer und würden kostenlose Werbung für das Land machen. Sonst hätten sie sicher nicht so einen Aufwand betrieben.

 

Weiter ging es zur Kirche Unserer Lieben Frau von Lourdes (Notre-Dame de Lourdes).
Sie wurde in den 1950er-Jahren erbaut und gilt als eine der bedeutendsten katholischen Kirchen Marokkos. Das Gebäude wirkt von außen eher schlicht, überrascht aber im Inneren mit einer riesigen Fläche aus kunstvollen, farbenprächtigen Glasfenstern – ein modernes Meisterwerk, das den ganzen Raum in warmes Licht taucht. Leider konnten wir heute nicht hinein, doch allein das Äußere ist einen Besuch wert.

Danach führte uns unser Weg zur Mahkama du Pacha, einem prachtvollen Verwaltungs- und Gerichtskomplex aus den 1940er-Jahren.
Das Gebäude gilt als architektonisches Juwel Casablancas: reich geschmückt mit Zellij-Mosaiken, kunstvollen Holzschnitzereien, Stuckarbeiten und eindrucksvollen Innenhöfen. Leider ist die Mahkama du Pacha oft geschlossen oder nur mit Genehmigung zugänglich – auch wir hatten Pech und konnten nicht hinein. Also spazierten wir gemütlich weiter.

Unser Weg führte uns durch ein Spitalsviertel und später durch ein nobleres Viertel – ein spannender Kontrast zwischen Alltagsleben und gehobener Wohngegend.

 

Schließlich fanden wir ein süßes Café und beschlossen, Frühstück Nummer zwei einzulegen.
Es gab Pain aux Chocolat, Espresso, frisch gepressten Orangensaft und Wasser – und das alles für gerade mal 4€. Und es war richtig lecker!

Während wir dasaßen, beobachteten wir eine Szene, die wir so bei uns zuhause niemals sehen würden: Zwei Damen gingen völlig selbstverständlich bei Rot über eine extrem befahrene Kreuzung. In der Mitte stand ein Polizist. Bei uns hätte man sofort mit einer Strafe rechnen müssen – doch hier? Er sagte gar nichts! Die Frauen fragten ihn sogar nach dem Weg, und dann standen sie zu dritt mitten auf der Straße und diskutierten entspannt. Das ist wohl die marokkanische Gelassenheit.

 

Nach etwa eineinhalb Stunden Spaziergang erreichten wir La Corniche, die bekannte Strandpromenade Casablancas.
Hier reihen sich moderne Cafés, Hotels und Restaurants aneinander und der Atlantik breitet sich in kräftigen Wellen vor einem aus. Besonders beliebt ist La Corniche sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen, die hier joggen, flanieren oder einfach die Aussicht genießen.

Natürlich probierten wir – wie in jedem Land – einen McSunday Schoko beim McDonald’s.

Von dort aus spazierten wir weiter am Strand entlang, über eine Stunde lang, bis zur Morocco Mall, der größten Mall in Afrika. Eigentlich wollten wir gar nicht so weit laufen, aber das Wetter war traumhaft, der Weg angenehm – und so übersahen wir einfach die Zeit.

Wir hofften während des Spaziergangs auf ein einheimisches vegetarisches Restaurant, aber auf über zwei Stunden Fußweg fanden wir nicht ein einziges. Also probierten wir unser Glück im Food Court der Mall.
Doch dort gab es hauptsächlich Pizza, Pasta oder Sandwiches – nichts wirklich Gesundes. Beim Asiaten fanden wir schließlich die beste Option: zwei Wok-Gerichte mit Nudeln und Gemüse.

Als wir auf die Uhr schauten, war es plötzlich schon 16 Uhr. Wir waren bereits 7 Stunden zu Fuß unterwegs. Unsere Beine waren entsprechend fertig. Also beschlossen wir, ein Taxi zurück zur Unterkunft zu nehmen.

 

Die Taxifahrt war leicht organisiert: Für ca. 4€ fuhr uns eine Fahrerin – zum ersten Mal eine Frau! – 30 Minuten durch die Stadt. Anfangs freute ich mich darüber… doch das änderte sich nach zwei Minuten.
Sie drehte die Musik
komplett auf – wirklich bis zum Anschlag. Es dröhnte, es jaulte, es klang, als würde jemand versuchen, gleichzeitig zu singen und zu klagen. Meine Ohren schrien innerlich.

Irgendwann während der Fahrt fragte sie plötzlich, ob wir hier aussteigen wollen. Wir blickten sie nur verwirrt an – warum?
Sie wusste es selbst nicht so genau. Wahrscheinlich wollte sie einfach nicht mehr weiterfahren. Es war ein Erlebnis.

Wir wurden dann aber nicht beim Hotel rausgelassen, denn die Dame wollte einfach nicht weiter fahren und so spazierten wir die restlichen Meter zu Fuß zurück.

Dann verbrachten wir den Nachmittag gemütlich im Zimmer und entspannten etwas.

 

Falls ihr noch nie in Marokko wart: In Casablanca ist alles sehr französisch geprägt. Man hört überall Französisch, und in den Bäckereien gibt es Baguette, Pain au Chocolat, Croissants – alles sehr süßlastig.
Casablanca ist weder hässlich noch besonders schön. Irgendetwas fehlt… ein bestimmtes Flair, das wir aber noch nicht genau benennen können. Vielleicht zeigt uns Marrakesch dieses gewisse Etwas – wir sind jedenfalls gespannt.

Der Name „Casablanca“ kommt  übrigens vom portugiesischen Casa Branca („weißes Haus“).

Früher war die ganze Stadt weiß gekalkt – heute sind nur wenige Gebäude noch richtig weiß. Viele haben einen leichten Sand- oder Staubschleier, typisch Atlantikküste.

Der Filmklassiker Casablanca (1942) mit Humphrey Bogart spielt zwar in Casablanca, wurde aber komplett in Hollywoodgedreht.

Die Einheimischen schmunzeln oft darüber, wie wenig der Film eigentlich mit der echten Stadt zu tun hat.

 

Heute war unser letzter Tag in Casablanca. Morgen wartet ein neuer Abschnitt unseres Abenteuers.

 

Bussi Baba,

Kosanni

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