Woche 6: Canggu Lifestyle und Gemeinschaft

Veröffentlicht am 15. Februar 2026 um 04:36

Wer schon einmal durch die Straßen von Canggu gerollt ist, kennt das Gefühl: Links eine Frau in einem makellosen Leinen-Zweiteiler auf dem Scooter, daneben ein durchtrainierter Mann ohne Shirt, rechts die nächste Fitness-Göttin mit dem perfekten Glow nach dem Yoga, eine Gruppe Sixpack- Götter im Café. Manchmal fühlt es sich so an, als gäbe es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man hier bitteschön seine „Best Version“ abzuliefern hat.

Ehrlich gesagt? Es ist leicht, sich in Canggu klein zu fühlen. Man fragt sich schnell: Bin ich spirituell genug? Ist meine Lebenseinstellung die richtige? Und warum sieht mein Avocado-Toast nicht so ästhetisch aus wie am Nachbartisch? Dieser Druck, mithalten zu müssen – optisch, beruflich, Lifestyle-technisch – ist real und kann einen ganz schön ausbremsen. Jeder will gefühlt besser sein als der andere.

 

Aber dann kommt die Magie...

Doch wenn man den Filter erst einmal weglässt, passiert etwas Wunderschönes. Hinter der glänzenden Fassade verbirgt sich in Canggu eine Community, die ich so noch nirgendwo anders erlebt habe.

Frauen-Power statt Konkurrenz: Sobald du dich öffnest und zugibst, dass du auch nur mit Wasser kochst, öffnen sich Türen. In Co-Working Spaces, bei Frauen-Gesprächen oder einfach am Strand beim Sonnenuntergang entstehen Gespräche, die tiefer gehen als jeder Smalltalk.

Gemeinschaft als Anker: Man findet hier eine unglaubliche Hilfsbereitschaft. Egal ob du Tipps für dein Visum brauchst, eine emotionale Stütze nach einem schlechten Tag suchst oder jemanden, der mit dir den zehnten Matcha Latte trinkt – die Gemeinschaft trägt einen. Es gibt zum Beispiel eine eigene Whatsapp Gruppe für Frauen in Canggu und dort wird täglich sich über alles mögliche ausgetauscht. Oft laden andere Frauen und „Fremde“ zu sich nach Hause ein zum gemeinsamen Kochen oder am Pool sitzen. Oder man schreibt einfach, ob jemand gemeinsam spazieren gehen will und plötzlich geht man an einem Samstag Morgen mit 50 anderen Frauen gemütlich spazieren.

Wachstum durch Austausch: Wir sitzen alle im selben Boot (oder auf demselben Surfbrett). Hier merkt man schnell, dass jeder den anderen unterstützten will! Neid oder Eifersucht gibt es nicht. Wenn jemand etwas kann oder hat, dann gibt es gar keine Frage, ob man es anderen weitergibt. Es ist selbstverständlich.

 

 

🌞 Wochenrecap

Sonntag

Der Sonntag war entspannt, gemütlich und irgendwie einfach gut. Es gab Pizza für Kosi – und seien wir ehrlich: Mit Pizza kann man bei ihm sowieso nie etwas falsch machen. Während wir also mehr oder weniger motiviert in den Tag gestartet sind, lief nebenbei das Sturm-Spiel. Und als wäre das nicht schon genug Sonntagsstimmung, haben sie tatsächlich auch noch gewonnen! Gute Laune, Pizza, ein Sieg – mehr braucht es manchmal gar nicht.

 

Montag

Montag. 5:30 Uhr.
Der Wecker klingelte. Und ich sage es euch – das war kein sanftes „Guten Morgen“, sondern eher ein „Warum tust du dir das an?“. Viel geschlafen haben wir nicht.

Aber: Running Club stand an.

Ja, richtig gehört. Hier treffen sich tatsächlich Menschen freiwillig um 6 Uhr morgens, um gemeinsam zu laufen – und danach zusammen frühstücken zu gehen. Irgendwie süß. Irgendwie verrückt. Aber vor allem: richtig motivierend.

Als wir mit dem Moped zum Treffpunkt unterwegs waren, passierte dann etwas, das mein Herz kurz komplett aus dem Konzept brachte.
Mitten auf der Straße lief ein freilaufender Babyhund herum. Ein winziges, tapsiges, unfassbar süßes Wesen. Ich konnte nicht einfach vorbeifahren. Kosi wollte schon weiter, aber… Keine Chance.

Der Kleine kam sofort auf mich zu, schwanzwedelnd, verspielt - so als würde er mich schon ewig kennen. Und ich war innerlich eigentlich schon bereit, ihn einzupacken. Doch dann fuhr ein fremder Mann vorbei, hielt an und fragte ganz casually:
„You want to have the dog?“

Ich schaute Kosi an. Mit diesem Blick. Ihr wisst schon. Mit dem Dackelblick.
Natürlich wollte ich. Also wirklich. Ich hätte ihn sofort genommen.

Kosi schüttelte den Kopf.

Und so musste ich diesen kleinen Babyhund einfach dort lassen. Ich habe ihn „Mogli“ genannt. Und ja – ich war kurz ein bisschen traurig. Der arme kleine Mogli… Ich hoffe sehr, dass er irgendwo ein gutes Zuhause hat. Später war er übrigens nicht mehr auf der Straße. Das beruhigt mich zumindest ein kleines bisschen.

 

Um 6:15 Uhr kamen wir beim Treffpunkt an – und ich war ehrlich überrascht. Mindestens 50 Menschen standen dort. Alle in Sportoutfits, alle wach (wie machen die das?), alle bereit für 5 Kilometer.

Zwei Personen sind die Leader und geben die Route vor, aber jeder läuft in seinem eigenen Tempo. Es gibt also Keinen Druck – einfach gemeinsam los.

Die Strecke war wunderschön. Wir liefen am Meer entlang, vorbei an Palmen, durch kleine Sträucher – es hatte fast etwas Meditatives. Die Sonne war gerade erst aufgegangen, die Luft noch angenehm kühl. Um die Uhrzeit macht das Laufen noch Spaß. Wirklich ein Moment, in dem man sich denkt: Ja, dafür lohnt sich frühes Aufstehen vielleicht doch.

Nach etwa 30 Minuten waren die meisten wieder zurück. Ein paar kamen 10–15 Minuten später – aber genau das ist ja das Schöne: Jeder in seinem Tempo.

Und obwohl es „nur“ 5 Kilometer waren, waren wir komplett durchgeschwitzt.

Für mich war das absolut ausreichend.
Für Kosi? Warm-up.

Also wieder rauf aufs Moped und direkt weiter ins Gym. Wenn schon, denn schon. Während Kosi Oberkörper trainierte, entschied ich mich für 40 Minuten Laufband – bergauf gehen. Klingt harmlos. Ist aber echt anstrengend.

Danach hatten wir uns das Frühstück aber wirklich verdient.

Und diesmal nicht selbstgemacht in unserer Unterkunft, sondern in einem Café. Es gab Kaffee, Avocado-Toast für mich und eine Trüffel-Eierspeise für Kosi. Und es war sooo lecker. Genau dieses „Wir haben was geleistet und genießen jetzt“-Gefühl.

Plötzlich war es 10 Uhr.
Ein halber Tag war gefühlt schon vorbei.

Wir fuhren nach Hause und legten eine kurze Pause ein. Ich dachte nochmal an Mogli. Er war nicht mehr da. Hoffentlich wirklich in Sicherheit.

 

Nächste Mission: Wäsche waschen.

Also wurde alles zusammengepackt und ein Waschsalon gesucht. Und tatsächlich – keine drei Minuten mit dem Moped entfernt war einer. Wir gaben 5 Kilo Wäsche für 4 Euro ab und bekamen sie innerhalb von 24 Stunden gewaschen zurück. Ganz ehrlich? Ich liebe solche Services.

Dann ging es weiter zum nächsten Programmpunkt.
Bei meinem Sehtest beim Brillenaussuchen kam nämlich raus, dass ich eine halbe Dioptrie weniger brauche als bisher. Eigentlich hatte ich brav Tageslinsen bis zum Ende der Reise mitgenommen – aber die passen jetzt eben nicht mehr richtig.

Also ab in einen „Linsenshop“.
Wobei… Shop ist übertrieben. Wir standen einfach bei einer Dame zuhause im Wohnzimmer und sie holte meine Linsen aus einer Schublade. Ich liebe solche Situationen – irgendwo zwischen Improvisation und Vertrauen. Kosi fragte mehrmals, ob das eh vertrauenswürdig sei - aber was soll schon sein?

Für 15 Euro bekam ich sechs Monatslinsen (also gleich vier extra zur Sicherheit), Linsenwasser und Behälter. Top Deal. Jetzt bin ich wieder für das nächste halbe Jahr ausgestattet.

Ein kleiner Plot-Twist: Es gab keine komplett durchsichtigen Linsen. Nur welche mit leichter blauer Färbung. Jetzt sehen meine Augen noch intensiver aus. Ob ich das dauerhaft möchte? Fraglich. Und ich bin auch ein bisschen skeptisch, wie gut sie wirklich sind – zu oft werde ich sie vermutlich nicht tragen.

Und dann – fast hätte ich es vergessen – heute ist unser Jahrestag.
Sechs Jahre.

Sechs Jahre wir.
Wenn ich das schreibe, fühlt es sich gleichzeitig lang und total selbstverständlich an. Ich bin so dankbar, ihn an meiner Seite zu haben. Und ganz ehrlich: Ich kann mir niemanden vorstellen, mit dem ich es so lange ausgehalten hätte (und er vermutlich auch nicht mit mir 😜).

Der Rest des Tages war ruhig. Ein bisschen häkeln, etwas essen, einfach runterkommen.

Und so startete diese Woche mit ganz viel Bewegung, ein bisschen Wehmut wegen Mogli, Avocado-Toast, blauen Kontaktlinsen – und ganz viel Dankbarkeit. 💛

 

 

Dienstag

Der Dienstag startete… sagen wir mal: intensiv.
Bereits um 3 Uhr morgens wurde ich vom Donner geweckt. Nicht dieses romantische, leise Prasseln auf dem Dach – nein. Es hat richtig gedonnert. Und geregnet. Und zwar so, dass man kurz überlegen musste, ob das Dach das aushält.

Ich war jedenfalls hellwach.

Um 6 Uhr stand auch Kosi auf, schaute verschlafen in den Raum und fragte ernsthaft, ob die Klimaanlage so laut laufen würde. Ich musste lachen und erklärte ihm, dass das kein technisches Problem sei, sondern schlichtweg tropischer Regen. Tja. Hilft nichts – der Tag wartete.

Es gab ein kleines Frühstück, eher pragmatisch als gemütlich und dann hieß es: Regenmäntel an, rauf aufs Moped.

Um 7:30 Uhr hatten wir nämlich eine Pilates-Reformer-Class gebucht. Und aktuell leben wir ein bisschen im „Probemonat-Hack-Modus“. Viele Studios bieten kostenlose Testphasen an – und ganz ehrlich, das zahlt sich hier total aus. Also nutzen wir gerade alles, was geht.

Eine Stunde Pilates später war klar: gratis heißt nicht weniger anstrengend. Im Gegenteil. Diese langsamen, kontrollierten Bewegungen bringen Muskeln zum Zittern, von denen man nicht mal wusste, dass sie existieren. Ich habe mehrfach kurz überlegt, warum ich mir das freiwillig antue.

Danach fuhren wir kurz heim, frühstückten nochmal richtig und packten dann unsere Häkelsachen ein. Wenn das Wetter schon nicht mitspielt, machen wir es uns eben selbst gemütlich.

Also ab ins Café.
Draußen weiterhin grau, nass und eher ungemütlich – drinnen Kaffee, Wolle und dieses Café-Gemurmel im Hintergrund.

Und ich muss es wirklich sagen: Kosi ist inzwischen richtig fleißig beim Häkeln. Er arbeitet gerade an seinem ersten Kartenhalter. Ganz minimalistisch in Schwarz und Weiß – wir haben extra neue Wolle dafür gekauft. Es ist irgendwie süß zu sehen, wie konzentriert er da sitzt und Masche für Masche zählt.

Gegen 13 Uhr machten wir uns auf den Weg zu einem Saftladen und gönnten uns frisches Obst. Vitamine mussten sein – wir wollten ja trotz Regen sportlich und gesund bleiben.

Danach ging’s nochmal ins Brillengeschäft.
Die Brillen hier sind einfach so günstig, dass wir die Gelegenheit nutzen mussten. Also wurden gleich Brillen für Papa, Mama und eine Freundin mitbestellt. Am Ende standen wir dort und hatten insgesamt sechs Brillen mit unterschiedlichen Dioptrien bestellt. Ich glaube, die Verkäufer dachten sich auch ihren Teil. 😂

Direkt danach holten wir unsere Wäsche aus der Wäscherei ab – die hatten wir ja am Montag abgegeben. Und glaubt mir, das Sportgewand hatte es bitter nötig. Für 3,70 € wurden 5 Kilo Wäsche gewaschen. Ich liebe solche Preise.

Zurück in der Unterkunft erwartete uns eine kleine Überraschung: Die Haushälterin hatte alles so liebevoll zusammengeräumt und geputzt. Es war richtig ordentlich, alles frisch, alles sauber. Wir waren ehrlich ein bisschen gerührt.

Der restliche Tag verlief ruhig. Noch ein bisschen häkeln, ein bisschen entspannen. Draußen Regen, drinnen Gemütlichkeit.

 

Mittwoch

Und schon wieder: früh aufstehen für den Running Club.

Es war immer noch regnerisch. Aber egal.
Treffpunkt um 7 Uhr beim Bali Social Club.

Dort warteten schon viele Menschen – trotz Wetter. Das liebe ich ein bisschen an dieser Community hier. Keiner lässt sich so leicht vom Regen abschrecken.

Nach einer kurzen Dehneinheit ging es los.
Fünf Kilometer durch die Felder. Die Landschaft war wunderschön – saftig grün, leicht nebelig, fast mystisch. Und dann, natürlich, genau beim letzten Kilometer: Wolkenbruch.

Wir waren klatschnass. Wirklich komplett.

Zurück beim Social Club erfuhren wir dann, dass man gratis den Wellnessbereich nutzen kann – Whirlpool, Pool, Sauna. Aber weil wir das nicht wussten, hatten wir natürlich keine Badesachen mit. Typisch. Nächste Woche sind wir vorbereitet!

Eigentlich hatten wir für 9 Uhr noch einen Spinning-Kurs gebucht. Aber draußen stürmte es inzwischen so sehr, dass wir mit dem Moped teilweise durchs Wasser fahren mussten. Also entschieden wir uns spontan dagegen. Man muss es ja auch nicht übertreiben.

Stattdessen fuhren wir heim und frühstückten Reste. Manchmal sind Restln einfach genau das Richtige.

Wir warteten noch ein bisschen, in der Hoffnung, dass das Wetter besser wird – aber nein. Also nutzten wir die Zeit sinnvoll und nahmen unseren Podcast auf. Wenn man schon „feststeckt“, dann wenigstens produktiv.

Um 13 Uhr legten wir eine Pause ein und gingen zu einem Warung ganz in der Nähe – vielleicht 200 Meter von uns entfernt. Ein Warung ist ein indonesisches Lokal, in dem man sich sein Essen selbst zusammenstellen kann. Verschiedene Gerichte stehen bereit, man zeigt drauf, bekommt alles auf den Teller – und fertig.

Und es war so lecker.
Für 7 € haben wir richtig viel gegessen. Frisch, würzig, sättigend. Ich liebe dieses unkomplizierte Essen hier.

Mogli haben wir übrigens immer noch nicht wieder gesehen… Ich denke immer wieder an ihn.

Am Nachmittag hörte der Regen endlich auf. Trotzdem hieß es erstmal Podcast schneiden, denn morgen ist schon Donnerstag – und da kommt die neue Folge online.

Gegen 15 Uhr machten wir uns dann doch noch auf den Weg zum Meer.
Das Meer direkt in Canggu ist nicht unbedingt Postkarten-Idylle. Viel Treibgut, etwas dreckig. Aber trotzdem wollten wir es sehen. Und es hatte trotzdem etwas. Wir spazierten am Strand entlang und holten uns eine frische Kokosnuss. Dieses kalte Kokoswasser nach einem schwülen Tag – einfach herrlich.

Und dann entdeckten wir zufällig das Lokal „Brunch Club“.

Und naja… Frühstück liebe ich. Also mussten wir rein.

Ich sage es euch: Die besten Pancakes meines Lebens. Wirklich. Fluffig, perfekt süß, einfach ein Traum. Natürlich haben wir ein Foto gemacht – sowas muss dokumentiert werden.

Danach spazierten wir noch durch die Gegend und beobachteten die Menschen. Hier sind gefühlt nur Influencer oder Fitness-Nerds unterwegs. Alle trainiert, alle geschniegelt, alle irgendwie „Instagram-ready“. Man hat das Gefühl, hier dreht sich alles um den Körper – äußerlich und innerlich. Fitness, gesunde Ernährung, Eisbäder, Therapie, Spiritualität, Selbstoptimierung.

Es ist faszinierend. Inspirierend. Aber auch ein bisschen intensiv.

Kosi war jedenfalls motiviert. So motiviert, dass er um 18:30 Uhr unbedingt noch ins Gym wollte. Ich? Eher nicht mehr so. Aber gut – durchziehen.

Also nochmal trainieren.
Danach gönnten wir uns zwei Proteinshakes im Lokal gegenüber und fuhren heim.

Und zuhause wurde es dann wieder gemütlich. Häkeln, entspannen, einfach runterkommen.

So langsam entsteht hier eine Routine – zwischen Sport, Kaffee, Regen, Meer und Maschen zählen.

 

 

Donnerstag

Heute war alles anders.
Kein Donnern. Kein Regen. Keine grauen Wolken.

Die Sonne war zurück – und zwar so richtig. Schon beim Aufwachen dieses helle Licht im Raum, das sofort bessere Laune macht. Es war keine Spur mehr vom Unwetter der letzten Tage zu sehen.

Wir hatten uns wieder für einen Pilates-Kurs angemeldet, also machten wir uns um 7:40 Uhr auf den Weg. Kursstart war um 8 Uhr – wir sind mittlerweile schon richtig routiniert mit unserem Morgenprogramm.

Davor mussten wir noch kurz zur „Tankstelle“.
Wobei… Tankstelle ist übertrieben. Es ist eher ein kleines Zapflager mit ein paar Flaschen, aber erfüllt seinen Zweck. Moped volltanken, weiter geht’s.

Der Pilates-Kurs war heute wirklich heftig. Ich glaube sogar, es war die beste Einheit bisher. Diese Mischung aus Kontrolle, Kraft und diesem leichten Zittern in den Muskeln, wenn man merkt, dass sie wirklich arbeiten – ich habe jede einzelne Minute gespürt. Und trotzdem fühlt man sich danach irgendwie länger, aufrechter, stärker.

Aber für Kosi ist Pilates ja eher „Zusatzprogramm“.

Nach dem Kurs ging es erstmal ins Copenhagen Café frühstücken. Und ich liebe dieses Konzept dort: Man bekommt eine Liste und kann einfach alles ankreuzen, worauf man Lust hat. Gefährlich. Sehr gefährlich.

Am liebsten hätte ich einfach alles genommen.

Aber ich blieb halbwegs vernünftig – naja, so halb. Es gab dunkles Brot (ja, richtig dunkles Brot – ich war fast emotional), Avocado, Ei, Feta, Tomate, Chia-Pudding und noch mehr kleine Köstlichkeiten. Zwei Frühstücke, Kaffee und Wasser – alles zusammen für 20 €. Und es war einfach so gut.

Und dann sahen wir es.

Direkt neben den Restaurants: ein Cookie-Laden.

Ich konnte nicht anders. Also gab es als Nachspeise noch einen S’mores-Cookie von „Mamas Cookie“. Und ich übertreibe nicht – 10/10. Außen leicht knusprig, innen weich, schokoladig, marshmallowig… ein Traum.

Während wir dort saßen, dachte ich wieder an diese App, die ich vor ein paar Tagen entdeckt habe. Sie heißt NomadTable. Weltweit kann man dort Events erstellen oder an welchen teilnehmen. Zum Beispiel: „Wer hat Lust auf Pizza um 18 Uhr?“ – und fremde Menschen können sich eintragen. So kommt man super leicht ins Gespräch und lernt neue Leute kennen.

Für heute hatte ich dort etwas entdeckt:
„Soul Painting“ – gratis, inklusive T-Shirt, nur für Frauen, um 15 Uhr.

Das klang einfach zu gut. Also habe ich mich sofort angemeldet.

Generell wird hier so viel angeboten. Am Freitag gibt es zum Beispiel einen „Girls Walk“ – reisende Frauen treffen sich am Strand, spazieren gemeinsam und gehen danach frühstücken oder Kaffee trinken. Diese Woche lasse ich es aus, aber nächste Woche möchte ich vielleicht dabei sein. Ich finde es so schön, wie leicht man hier Anschluss findet.

Zurück zum Tag.

Weil Pilates für Kosi nicht als „richtiges Workout“ zählt, ging es gegen Mittag nochmal ins Fitnessstudio. Ihr seht schon – aktuell besteht unser Alltag gefühlt zu 60 % aus Training.

Aber dafür auch zu 40 % aus Essen.

Während Kosi Gewichte stemmte, nutzte ich die Zeit, um am Laufband Schritte zu sammeln. Durch das viele Mopedfahren sitzen wir gerade extrem viel und kommen sonst kaum auf unsere Schritte. Also ging ich einfach eine Zeit lang – Kopfhörer rein, bisschen abschalten.

Danach wollten wir noch kurz am Pool entspannen.
Aber wirklich nur kurz. Nach 20 Minuten war die Sonne so stark, dass wir in den Schatten flüchten mussten. Die tropische Sonne meint es ernst.

Also machten wir uns erneut auf den Weg zum Brillenladen, um unsere bestellten Brillen abzuholen. Sechs Stück insgesamt – ich musste wieder ein bisschen lachen. Ich hoffe, zuhause freuen sich alle.

Und dann kam unser eigentliches Highlight des Tages.

Jahrestag-Essen.

Kosi hatte ein Restaurant ausgesucht: Penny Lane. Und wir haben… gefühlt einfach alles bestellt. Eine Gemüse-Bowl, einen vegetarischen Burger mit Pommes, Nachos mit Käse und Avocado, Sommerrollen, zwei Kokosnüsse und einen Smoothie.

Es war viel. Sehr viel.
Aber für 30 € insgesamt – und vor allem für unseren Jahrestag – war es das absolut wert.

Sechs Jahre.

Sechs Jahre gemeinsam durch so viele Phasen, Länder, Herausforderungen, Alltag, Chaos, Abenteuer. Und irgendwie sitzen wir jetzt hier, essen Nachos auf Bali und stoßen mit Kokosnüssen an. Das Leben ist schon verrückt.

Und als perfekter Abschluss: eine Fußmassage.

Eine Stunde im Massagestudio.
Licht gedimmt, leise Musik, müde Beine nach so viel Sport – und einfach nur loslassen.

Ich glaube, besser kann man einen Tag nicht beenden. 🌞

 

 

Freitag

Der Freitag startete diesmal ganz anders als die Tage zuvor.
Kein Running Club und auch kein Pilates-Studio – sondern etwas, bei dem wir beide nicht so genau wussten, was uns erwartet:

 

BaliFloat.

 

Und falls ihr euch jetzt fragt, was das ist – wir haben uns genau dasselbe gefragt.

Im Grunde ist es eine Sporteinheit in einem Pool, bei der man auf einem Paddleboard steht. Also wirklich steht. Auf dem Wasser. Und dort oben macht man dann Übungen. Kniebeugen, Balance-Übungen, kleine Flows – alles mögliche halt.

Ganz ehrlich: Schwer zu beschreiben. Man muss es gesehen haben.

Aber es war mega lustig.

Kosi fiel natürlich ziemlich schnell ins Wasser. Ich meine – es sieht einfacher aus, als es ist. Das Gleichgewicht zu halten, während man gleichzeitig Übungen macht, ist wirklich tricky. Aber genau das ist auch das Geniale daran: Man merkt kaum, wie anstrengend es ist, weil man so sehr damit beschäftigt ist, nicht ins Wasser zu plumpsen.

Ich war richtig konzentriert. Körperspannung, Fokus, Balance. Und zwischendurch immer wieder Gelächter, wenn jemand baden ging.

Nach der Einheit gab es noch Frühstück vor Ort, und danach fuhren wir direkt weiter zum Obstmarkt um die Ecke. Ich liebe solche Märkte – alles frisch und stapelweise Früchte.

Für 4,40 € bekamen wir eine Ananas, eine Mango, Bananen, einen Apfel und eine Dragon Fruit. Ich staune hier jedes Mal über die Preise.

Zurück in der Unterkunft machten wir uns eine riesige Obstschüssel. Frisch, saftig, süß – genau das Richtige nach so viel Bewegung.

Heute war nämlich unser letzter „normaler“ Tag hier.
Ab morgen beginnt das Sightseeing-Programm – und am Sonntag kommt eine Freundin von uns dazu!

Wir haben sie auf Sri Lanka kennengelernt. Eigentlich waren es zwei Mädels, aber eine musste leider früher zurück nach Deutschland. Die andere kommt jetzt zu uns und wir werden die nächsten zwei Wochen gemeinsam alles erkunden. Ich freue mich richtig darauf – neue Energie, neue Gespräche, neue Dynamik.

Deshalb war der Freitag eher ruhig geplant. Viel essen, ein bisschen häkeln, zwischendurch rasten. Nochmal Kraft sammeln, bevor es touristischer wird.

Naja… ganz ruhig dann doch nicht.

Am Abend stand noch ein Muay-Thai-Kurs am Programm. Eigentlich hatte Kosi sich das gewünscht – „endlich wieder ein richtiges Training“ – aber ich war auch angemeldet.

Also um 19 Uhr nochmal rauf aufs Moped und ab zum Kurs.

Muay Thai ist ja eine traditionelle thailändische Kampfkunst – viel Technik, viel Kraft und gaaanz viel Schwitzen. Der Kurs war okay. Ehrlich gesagt hätte ich mir etwas mehr Anleitung gewünscht. Die Trainer haben nicht besonders viel erklärt oder kommuniziert und das mag ich dann nicht so gern. Gerade bei Kampfsport finde ich Feedback wichtig.

Aber anstrengend war es auf jeden Fall. Und heiß. Sehr heiß.

Nach einer Stunde waren wir komplett durchgeschwitzt.

Zum Abschluss holten wir uns noch Snacks im Supermarkt – einfach dieses typische „nach dem Training braucht man noch was“-Gefühl – und fuhren heim.

Duschen. Snacks. Bett.

 

Samstag

Der Samstag begann ungewohnt ruhig.
Kein Wecker für irgendeinen Kurs. Kein Running Club. Kein „Wir müssen los“. Einfach nur aufwachen.

Eigentlich hatten wir einen Plan: Uluwatu. Also zum Strand, den Klippen und das Meer genießen . Also packten wir motiviert unsere Strandtasche – Handtücher, Sonnencreme, Wasser, alles rein. Rauf aufs Moped, los ging’s.

Und dann – nach vielleicht zehn Minuten Fahrt – fing es plötzlich an zu regnen. Leider kein leichtes Nieseln, sondern ein ordentlicher Regenschauer. Typisch Tropisch. Innerhalb von Sekunden waren die Straßen nass.

Wir sahen uns an.
„Na gut… dann wohl doch nicht Uluwatu.“

Also drehten wir um und fuhren stattdessen zum bekannten Starbucks Reserve in Bali – tatsächlich der größte Starbucks in Südostasien. Das Gebäude ist riesig, fast schon wie eine kleine Erlebniswelt rund um Kaffee. Mehrere Stockwerke, offene Architektur, viel Holz, moderne Glasfronten, eine eigene Rösterei im Inneren, in der man sehen kann, wie die Bohnen verarbeitet werden. Es fühlt sich weniger nach klassischem Starbucks an und mehr nach Kaffee-Tempel.

Drinnen duftet es intensiv nach frisch gerösteten Bohnen. Überall sitzen Menschen mit Laptops, Meetings finden statt, Influencer fotografieren ihre Getränke – und man hört das Zischen der Kaffeemaschinen.

Wir bestellten – wie sollte es anders sein – zwei Nitro Cold Brew. Natürlich.
Kaum hielten wir die Becher in der Hand, hörte der Regen auf.

Typisch.

Kurz überlegten wir wirklich nochmal, doch noch nach Uluwatu zu fahren. Aber die Gemütlichkeit hatte uns längst eingeholt. Außerdem wären es noch über eine Stunde Fahrt gewesen.

Also machten wir es uns gemütlich.

Ich telefonierte mit einer Freundin – sie ist sowieso immer ab vier Uhr morgens wach. Für sie vielleicht mühsam, für mich perfekt. Egal in welcher Zeitzone ich bin, sie ist erreichbar. Danach folgten noch Telefonate mit Mama und Papa und einer weiteren Freundin.

Irgendwann rauchte mir ehrlich der Kopf. So viele Neuigkeiten, so viele Updates von zuhause. Man lebt hier in seiner eigenen kleinen Welt – und wenn dann auf einmal alles von daheim gleichzeitig eintrudelt, fühlt sich das fast überwältigend an.

Also zurück zur Unterkunft.

Und natürlich: erstmal ins Warung um die Ecke essen.
Wir schaufelten wieder alles voll – Reis, Gemüse, Tofu, Tempeh, Saucen. Wir nahmen von allem ein bisschen und das endet bei uns meistens in randvollen Tellern.

Und dann kam diese spontane Eingebung:
„Lass uns eine Runde laufen.“

Eigentlich wollten wir nur kurz raus. Ein paar Kilometer vielleicht. Einfach locker bewegen.

Aber es war so unfassbar schön.

Die Luft war trocken und der Himmel klar. Wir liefen los – ohne Ziel, einfach dem Weg entlang. Durch kleine Gassen, vorbei an Reisfeldern, an Tempeln, an lächelnden Einheimischen.

Und wir wollten gar nicht so lange.

Aber irgendwann merkten wir: Wir sind schon ziemlich weit gelaufen.
Und es fühlte sich gut an. Die Umgebung lenkte uns total vom Laufen ab.

Am Ende waren es zehn Kilometer.

Und keiner von uns wollte eigentlich aufhören.

Zurück zuhause war ich glücklich erschöpft. Und dann verschwand Kosi nochmal kurz. Ich dachte mir nichts dabei.

Und dann kam er zurück.

Mit Rosen.
Und Zimtschnecken.

Ich war komplett überrascht. Einfach so. So eine liebe Geste.

Für sich selbst hatte er übrigens Pizza und Pommes mitgebracht. Also natürlich auch was für ihn.
Perfekte Version eines perfekten Valentinstagsessens.

 

Sonntag

Der Sonntag begann wieder sportlich – mit Pilates am Morgen. Eine letzte Einheit zu zweit, bevor sich unsere kleine Reisetruppe vergrößert.

Danach hieß es: warten.

Denn heute kommt Tami.

Wir haben sie auf Sri Lanka kennengelernt. Tami reist weiter – und hatte eigentlich Sorge, die letzten Wochen allein unterwegs zu sein.

Und irgendwie hat es sich einfach ergeben.
Es hat von Anfang an so gut gepasst zwischen uns. Ein natürliches Verstehen, das gleiche Tempo und ähnliche Werte. Und deshalb verbringen wir jetzt die letzten zwei Wochen ihrer Reise gemeinsam.

Ich freue mich wirklich sehr.

Als kleine Überraschung holten wir drei frische Kokosnüsse – eine für jeden von uns. Außerdem habe ich ihr eine Tasche gehäkelt. In ihrer (hoffentlich) Lieblingsfarbe. Und Kosi hat eine Kartenhalterung gemacht. Wir wollten ihr einfach zeigen, dass wir uns freuen.

Gegen 12 Uhr soll sie ankommen.

Und was dann passiert – das erfahrt ihr nächste Woche von Kosi.

 

Bussi Baba,

Kosanni

 

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