Normalerweise kennt ihr das ja: Wir nehmen euch an der Hand und wir spazieren gemeinsam von Montag bis Sonntag durch unsere Woche. Ich möchte heute gar nicht so sehr im gewohnten bleiben, sondern viel tiefer eintauchen.
Dabei fing die Woche eigentlich ganz klassisch an. Der Montag war unser absoluter Ruhetag. Wir starteten sportlich, frühstückten gemütlich im Zimmer und wollten dann eigentlich nur entspannt durch die Stadt treiben. Aber Wahnsinn, was hier auf Phu Quoc los ist! Jedes Mal haben wir das Gefühl, es sind noch mehr Touristen gelandet. Man fragt sich echt, wo die alle Platz haben. Bei fast 40 Grad war das Ganze aber eher ein schweißtreibendes Abenteuer. Nach zehn Minuten Gehen waren wir so durch, dass wir nur noch in den klimatisierten Supermarkt geflüchtet sind, bevor wir uns am Abend das Feuerwerk angesehen haben.
Und dann kam der Dienstag – ein Tag zum Feiern. Endlich kam nachts die Nachricht: Unser Mietvertrag für die neue Wohnung in Graz ist fix! Es ist so ein erleichterndes Gefühl, zu wissen, dass wir bald wieder ein echtes ZUHAUSE haben! Das mussten wir erst mal bei einem Kaffee feiern. Apropos Kaffee: Wir haben hier die harte Lektion gelernt, dass „Cold Brew“ und „Black Coffee“ in Vietnam definitiv nicht das Gleiche sind. Wir haben uns gewundert, warum uns die Hitze so zusetzt und das Herz so rast – tja, der Kaffee hier ist einfach eine andere Liga an Stärke. Jetzt sind wir schlauer, aber lecker ist er trotzdem!
Aber weg von den Terminen und hin zu dem, was diese Reise wirklich mit uns gemacht hat:
Wahnsinn, wie sich das Rad der Zeit plötzlich dreht. Seit dem 1. Dezember 2024 sind wir jetzt schon "on the road". Wir haben den österreichischen Winter gegen die Sonne der Welt getauscht und sind jetzt an einem Punkt gelandet, den wir lange Zeit erfolgreich verdrängt haben: Wir planen unsere Heimkehr nach Graz. Ende Juli ist es so weit.
Diese Woche auf Phu Quoc fühlt sich deshalb total surreal an. Einerseits genießen wir das Inselleben, andererseits hängen wir ständig am iPad, buchen die letzten Züge der Reise und regeln Dinge für zu Hause. Dieses Wissen, dass die große Freiheit bald ein Ablaufdatum hat, drückt manchmal ganz schön auf die Stimmung – es ist ein Mix aus Vorfreude auf die Lieben und einer riesigen Portion Wehmut.
Wenn wir die letzten Monate Revue passieren lassen, kommt uns das Ganze wie ein einziger bunter Rausch vor. Wir waren in Madagaskar und Tansania, wo uns die Natur und die wilde Energie fast umgehauen haben. Wir haben die Stille im Oman aufgesogen, sind durch die Weiten von Australien und Neuseeland gecruist und haben uns im High-Tech-Dschungel von Japan, Taiwan und China manchmal wie in einem Anime Film gefühlt. Überall gab es diese krassen Unterschiede, die einen erst mal schlucken lassen. In Japan kannst du vom Boden essen, so sauber ist es und die Menschen sind so höflich, dass man sich fast schämt, wenn man zu laut atmet. Und dann landest du in Vietnam oder Thailand, wo das pure Leben auf der Straße explodiert, es überall nach Suppe und Abgasen riecht und man einfach nur lernt, mit dem Flow zu gehen und minimalistisch zu leben.
Diese kulturellen Kontraste sind das größte Geschenk der Reise. In Marokko oder Sri Lanka lernt man eine Herzlichkeit kennen, die nichts mit Materiellem zu tun hat. Das erdet einen total. Trotzdem fragen wir uns jetzt schon, wie wir den „Kulturschock“ zurück in Österreich verkraften werden. Es wird so absurd sein, wieder in eine Welt einzutauchen, in der alles nach Regeln abläuft. In Graz regt man sich auf, wenn der Bus drei Minuten zu spät kommt – hier in Südostasien sind wir froh, wenn er überhaupt kommt und vielleicht sogar zwei Reifen hat, die nicht ganz glatt sind. Wir müssen uns erst wieder daran gewöhnen, dass man nicht einfach alles mit einem Lächeln und „no problem“ wegwischen kann. In dieser Woche, während wir Flüge buchen und Formulare wälzen, merken wir erst, an welche „Absurditäten“ wir uns gewöhnt haben. In Asien ist eine rote Ampel eher ein „Vorschlag“. In Graz werden wir wieder brav am Zebrastreifen warten, auch wenn weit und breit kein Auto kommt. Hier schreit das Leben, es ist laut, es ist viel. Zuhause wird uns die Stille am Sonntag fast schon unheimlich vorkommen.
Von der Pho auf der Straße für 1,50 € zurück zum Auer Kaffee für 5€. Wir werden die Plastikhocker vermissen!
Ehrlicherweise müssen wir aber auch über das sprechen, was man auf den perfekten Instagram-Fotos nicht sieht. Wir hocken jetzt seit drei Wochen in einer Bude auf Phu Quoc, die vielleicht zehn Quadratmeter hat. Da drin ist alles: Bett, Kochnische, Klo – und wir zwei. Freiraum? Null. Privatsphäre? Fehlanzeige. Wenn einer mal kurz schlechte Laune hat oder einfach nur mal fünf Minuten für sich sein will, geht das eigentlich nur, wenn man sich die Decke über den Kopf zieht.
Hat das unsere Ehe beeinflusst? Definitiv.
Aber: wir sind als Team extrem zusammengewachsen. Wir haben Situationen gemeistert, bei denen wir früher wahrscheinlich schreiend weggelaufen wären. Aber wir sind eben auch nur Menschen. Man darf sich auch mal richtig auf die Nerven gehen, wenn man seit Monaten 24/7 aufeinanderpickt. Das gehört dazu und macht uns am Ende nur noch stärker. Wir wissen jetzt, dass wir uns aufeinander verlassen können, egal ob wir gerade im Luxus schwelgen oder in einer winzigen Kammer in Vietnam festsitzen.
Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Wir sind unendlich dankbar für alles, was wir erleben durften – von Mauritius bis Kambodscha war jedes Land ein Puzzleteil unserer Geschichte. Aber jetzt, wo wir die Zelte langsam abbrechen, merken wir, wie sehr uns diese Reise verändert hat. Graz wird noch dasselbe sein, aber wir sehen es mit ganz anderen Augen. Wir genießen jetzt noch jede Sekunde hier, auch wenn das Zimmer winzig ist und der Abschied schwerfällt.
Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns am 1. Dezember nicht nur von Graz verabschiedet, sondern auch von einem Weltbild, das ziemlich festgefahren war. Jetzt, kurz vor der Rückkehr, merken wir erst, wie krass sich unser Blickwinkel verschoben hat. Man sagt immer, Reisen bildet, aber eigentlich öffnet es die Augen. Legt diesen ganzen unnötigen Ballast weg, den man zu Hause als „lebenswichtig“ empfindet.
Wer glaubt, eine Weltreise sei nur Honeymoon unter Palmen, hat noch nie versucht, mit 39 Grad Fieber in einem klapprigen Bus durch Kambodscha zu gurken oder drei Wochen im Auto zu leben und überlegen, wer heute den Abwasch im öffentlichen Klo macht. Wir haben uns gegenseitig in Momenten erlebt, die alles andere als „Instagram-worthy“ waren. Wir waren dreckig, müde, genervt und manchmal kurz davor, den anderen einfach am Flughafen stehen zu lassen. Aber genau das ist der Punkt: wir sind eine unschlagbare Einheit, die weiß, dass wir zusammen durch jedes Chaos kommen.
Und wenn wir an zu Hause denken, mischt sich in die Vorfreude auch ein bisschen Unbehagen. Wir haben auf dieser Reise eine Herzlichkeit erlebt, die uns oft beschämt hat. Menschen im Oman oder in Sri Lanka, die selbst kaum etwas besitzen, haben uns ihr letztes Essen angeboten und uns mit einer Offenheit empfangen, die wir in Europa oft vermissen. Wenn wir ehrlich sind: In Österreich leben wir oft in einer Blase aus Komfort und gleichzeitigem Grant. Wir sind Weltmeister im Sudern und Raunzen. Manchmal wirkt die Stimmung zu Hause so engstirnig und wenig weltoffen – jeder schaut auf sich, jeder hat Stress und ein Lächeln auf der Straße wird oft mit Skepsis quittiert.
In Tansania oder Vietnam spielt sich das Leben draußen ab, es ist laut, es ist chaotisch, aber die Menschen sind präsent. Sie sehen dich an. Zu Hause verstecken wir uns oft hinter unseren Hecken und unseren perfekt durchgeplanten Terminkalendern. Wir haben auf dieser Reise gelernt, dass „Sicherheit“ und „Besitz“ eigentlich totale Käfige sein können. Die Welt ist so viel größer als der Grazer Uhrturm und die Menschen da draußen sind im Kern alle gleich: Sie wollen geliebt werden, sie wollen lachen und sie wollen Sicherheit für ihre Familien und sie wollen das Leben genießen!
Wir brauchen eindeutig weniger Dinge, aber mehr „Menschlichkeit“. Wir wollen versuchen, uns dieses offene Herz zu bewahren, auch wenn uns zuhause wahrscheinlich bald wieder der erste unhöfliche Kellner oder der grantige Nachbar begegnet.
Also genießt doch einfach das Leben! Schließlich haben wir nur ein einziges!
So das war‘s aber nun auch mit den Infos. Ihr bekommt natürlich trotz allem die Fotos der aktuellen Woche.
Bussi Baba,
Kosanni
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