Woche 18: Sportliches Da Nang

Veröffentlicht am 10. Mai 2026 um 10:01

Hallo hallo, ich melde mich wieder zurück! Erstmal ein riesiges Dankeschön an Kosi  für den Eintrag letzte Woche und dass du so fleißig in die Tasten gehauen hast. Diese Woche ist es wieder mein Privileg, euch als „Tourguide“ mitzunehmen und euch in unsere Reise-Abenteuer einzuweihen.

 

Mein Montag startete ehrlich gesagt unmenschlich früh. Da wir mitten im Marathon-Training stecken, klingelte mein Wecker bereits um 4:00 Uhr morgens für einen „Slow Run“ – also einen gemütlichen, langen Lauf. Ich war zwar noch total im Halbschlaf, während Kosi sich im Bett nochmal gemütlich umgedreht hat, aber es half alles nichts: Laufschuhe an und raus in die Dunkelheit.

Was mich völlig umgehauen hat: Es war um diese Uhrzeit schon unglaublich heiß! Aber noch krasser war, was am Strand abging. Ich kam dort nach etwa zwei Kilometern an und dachte, ich bin auf einer riesigen Party gelandet. Es war kurz nach vier Uhr morgens und der Strand war einfach voller Leben! Vor allem die ältere Generation ist hier am Start: Überall siehst du Tanzgruppen, die sich um Musikboxen versammeln und synchron loslegen, andere spielen, machen Sport oder quatschen einfach. Es ist so herrlich mitanzusehen, wie viel Wert hier auf Bewegung gelegt wird. Jüngere Leute in meinem Alter trifft man da fast gar nicht – die schlafen wahrscheinlich alle noch, so wie Kosi. Ich lief dann fast zwei Stunden lang durch dieses bunte Treiben. Stellt euch das mal bei uns zu Hause vor: Wenn wir uns um vier Uhr morgens zum Tanzen im Park treffen würden, würden uns die Nachbarn wahrscheinlich den Vogel zeigen oder die Polizei rufen. Hier ist das einfach der normale Lifestyle!

 

Kaum war ich zurück, war auch Kosi munter und – wie sollte es anders sein – er wollte auch noch ein gemeinsames Workout durchziehen. Also ab ins Gym (für schlappe 2 €!) für eine Runde Hyrox. Danach hatten wir natürlich Hunger ohne Ende. Normalerweise checken wir ja oft die Hypes auf TikTok aus, aber diesmal haben wir uns blind auf Google verlassen und ein vegetarisches Restaurant angesteuert.

Das Essen war eine absolute 10/10, aber das Traurige war: Wir waren fast die Einzigen dort. Es zeigt mal wieder, dass ein Laden scheinbar gar nicht mehr existiert, wenn er nicht gerade auf Social Media viral geht. Dabei war der Deal unschlagbar: Eine Frühstücks-Combo aus Kaffee, einer Bowl und einem Toast für gerade mal 6 €. Ich hatte eine mega Bowl mit Mango, Ananas, Drachenfrucht, Chia und Kürbiskernen dazu einen Sauerteigtoast mit veganer Pastete und Pilzen. Kosi war auch im Food-Himmel.

 

Frisch gestärkt haben wir uns auf die Motorroller geschwungen, um den legendären Hai Van Pass (das bedeutet übrigens „Wolkenpass“) auszuchecken. Wir wollten die Route testen, weil uns ja bald Besuch aus der Heimat erwartet und wir dort unbedingt gemeinsam hochfahren wollen.

 

Er gilt als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt. Auf ca. 21 Kilometern schlängelt er sich über die Ausläufer des Annamitengebirges und trennt das subtropische Klima im Norden vom tropischen Klima im Süden. Früher war er die einzige Verbindung zwischen Da Nang und Hué, heute nutzen die meisten Autos den Tunnel, sodass die Passstraße fast nur noch von Touristen und Bikern befahren wird.

 

Schon kurz hinter Da Nang änderte sich die Kulisse komplett: Plötzlich war es grün, ruhig und wir fühlten uns fast wie zu Hause in den Bergen – nur eben mit Dschungel-Vibe. Wir haben oben an einem süßen Café gehalten, aber der Kaffee war so brutal stark, dass wir ihn fast nicht trinken konnten. Also haben wir einfach nur die Aussicht genossen und sind dann entspannt zurückgerollt. Auf dem Weg sahen wir überall Einheimische, die in riesigen Hängematten-Parks (bestimmt 50 Stück an den Bäumen!) ihren Schlaf hielten. Vermutlich ihr zuhause. Wir kamen auch bei vielen Siedlungen vorbei und es ist jedesmal schockierend, wie Menschen leben können…. trotzdem Total faszinierend, wie entspannt hier alles abläuft.

 

Auf dem Rückweg kam dann der Heißhunger kickend zurück. Wir machten erst einen Stopp bei der Bäckerei „Bread & Butter“ und gönnten uns Bananenkuchen, Mandelcroissant und Chia-Tiramisu für 5,80 €. Aber nach zwei Stunden Laufen und einer Stunde Hyrox brauchte ich (und vor allem Kosi) noch was Richtiges zwischen den Zähnen.

Also nichz nur Kuchen (versteh ich nicht… ich persönlich finde ja, dass Kuchen die einzige lebensnotwendige Mahlzeit ist)

Wir suchten uns dann ein lokales vegetarisches Restaurant. Als wir reinkamen, war es totenstill. Wir waren uns nicht sicher, ob es überhaupt offen war… Kosi suchte das Bad und fand dort einfach einen schlafenden Mann, der kurz die Augen öffnete, Kosi ansah und sofort wieder wegpennte. Also mal komplett ignoriert. In der Küche fanden wir dann zwei Damen, die uns den absoluten Schmaus zubereiteten. Die waren sehr motiviert zu kuchen und wir motiviert, zu essen. Es gab: Summerrolls, Süßkartoffel-Pommes, für mich eine Tofu-Tomaten-Suppe und für Kosi Reisgerichte mit Pilzreis und Ei und Reis. Wir fragen uns jedes Mal, wie diese Läden überleben – wir haben für das komplette Festmahl inklusive Getränken gerade mal 6 € gezahlt. Das war nur 20 Cent mehr als die zwei kleinen Kuchen vorher!

Völlig vollgestopft und glücklich sind wir gegen 17 Uhr wieder in unserer Unterkunft gelandet. Jetzt heißt es nur noch: Beine hochlegen und den Tag verdauen. Was für ein Montag!

Am Abend fuhren wir nochmal zum Strand, um eine kleine Runde zu spazieren. Es war wirklich herrlich und die ganzen Einheimischen saßen in Gruppen zusammen und spielten,aßen oder tanzten.

 

Dienstag:

Wenn der Wecker um 4:00 Uhr morgens klingelt, fühlt sich das im ersten Moment alles andere als „herrlich“ an. Aber wir wussten: Der frühe Vogel fängt den besten Ausblick! Heute stand nämlich kein flacher Strandlauf an, sondern ein richtiger Berglauf hoch zur berühmten Lady Buddha auf der Halbinsel Son Tra.

Wir sind gegen 5:00 Uhr gemeinsam losgejoggt. Die Luft war noch halbwegs frisch, aber man merkte schon, dass die Sonne heute keine Gnade macht. Der Weg führte uns stetig bergauf, doch pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir unser Ziel – und was soll ich sagen? Es war magisch.

 

Laddy Buddha: Die strahlend weiße Statue ist mit 67 Metern die höchste Buddha-Statue Vietnams (das entspricht etwa einem 30-stöckigen Gebäude!). Sie gehört zur Linh-Ung-Pagode und blickt schützend über das Meer und die Stadt Da Nang. Die Einheimischen sagen, dass sie die Stadt vor Stürmen und Taifunen bewahrt. Im Inneren der Statue gibt es sogar 17 Stockwerke, die jeweils verschiedenen Buddha-Aspekten gewidmet sind.

 

Als wir oben ankamen, erwartete uns das absolute Highlight: Neben der gigantischen Statue waren dort überall Affen! Die kleine „Affen-Gang“ turnte dort herum und hat uns neugierig beobachtet. Ehrlich, wie kann ein Tag bitte besser starten? Die Kulisse war ein absoluter Traum – auf der einen Seite die spirituelle Ruhe der Pagode und auf der anderen Seite der Blick auf die erwachende Skyline von Da Nang, die im goldenen Licht der Morgensonne so schön aussah.

Nach etwa 12 Kilometern in den Beinen meldeten sich dann aber doch die Muskeln. Die Steigung und die Luftfeuchtigkeit haben uns ordentlich gefordert, sodass wir beschlossen, die letzten zwei Kilometer ganz entspannt zurückzuspazieren. Die Hitze war mittlerweile echt krass und die Sonne brannte schon ordentlich auf der Haut.

Aber wer denkt, wir hätten danach genug gehabt, kennt uns schlecht! Wir hatten extra unsere Sportmatten mitgeschleppt, also gab es direkt am Strand noch eine 40-minütige Pilateseinheit. Zwischen Palmenrauschen und Meerblick haben wir nochmal alles gegeben und den Schweiß fließen lassen. Es war hart, aber dieses Gefühl, wenn man es vollbracht hat, ist einfach unbeschreiblich.

Völlig fertig, aber glücklich, ging es dann nur noch kurz heim: Duschen, frische Sachen an und dann hieß es endlich – und ich meine wirklich EEEENDLICH – Frühstück!

 

Nach unserem sportlichen Mega-Programm am Morgen hatten wir natürlich einen Bärenhunger. Aber wie das Leben so spielt, lief beim ersten Frühstücks-Stopp nicht alles nach Plan. Wir suchten uns ein süßes Lokal aus, bestellten und warteten... und warteten. Als nach einer vollen Stunde immer noch nichts auf dem Tisch stand, fragten wir mal vorsichtig nach. Die Antwort? Ups, Bestellung komplett untergegangen!

Ich sag’s euch, mit „Hangry-Level 100“ ist das nicht die Nachricht, die man hören will. Wir waren dezent genervt, haben die Zelte dort abgebrochen und sind direkt zu unserem Favoriten von gestern geflüchtet. Dort wussten wir, was wir bekommen: Es war wieder absolut „tipi topi“, der Service fix und das Essen ausgezeichnet.

Den restlichen Vormittag und Mittag ließen wir es deutlich entspannter angehen. Wir sind einfach durch die Straßen von Da Nang spaziert, haben uns durch die kleinen Läden treiben lassen und geschaut, was die Stadt abseits der Touristenpfade so zu bieten hat. Es ist immer wieder faszinierend, diesen Mix aus modernem Lifestyle und traditionellem vietnamesischen Chaos zu beobachten.

Am Nachmittag stand dann das absolute Highlight für unsere müden Muskeln an: Wellness-Zeit! Wir haben uns eine einstündige Schulter-Rücken-Nacken-Massage gegönnt. Und Leute, ich untertreibe nicht, wenn ich sage: Das war die beste Massage, die wir bisher auf der ganzen Reise hatten!

Es war das volle Verwöhnprogramm:

Wärmekissen, die die Verspannungen vom Laufen gelöst haben.

Hot Stones,mit denen sie den ganzen Oberkörper einrieb

• Gekonnte Griffe, die genau die richtigen Triggerpunkte erwischt haben.

Wir haben uns danach gefühlt wie neu geboren – fast so, als hätten wir gar keine 12 Kilometer Berglauf in den Knochen.

 

Nach dieser Tiefenentspannung sind wir erst mal kurz zurück in unsere Unterkunft, um eine Runde zu rasten und die Beine baumeln zu lassen. Aber Da Nang lässt einen nicht lange los: Am Abend hat es uns doch noch einmal vor die Tür gezogen. Wir sind ganz entspannt eine Runde spazieren gegangen, haben die beleuchtete Stadt und die Abendluft genossen, bevor ein ereignisreicher Dienstag zu Ende ging.

Wenn der Morgen mit Affen und Buddha startet und mit einer Hot-Stone-Massage endet, kann eigentlich nicht viel schiefgehen – auch wenn das erste Frühstück ein totaler Reinfall war!

 

Mittwoch:

Der Mittwoch startete bei uns eigentlich ganz entspannt und fast schon ein bisschen unspektakulär – aber genau das sind oft die Tage, an denen man die schönsten Eindrücke sammelt.

Anstatt ein straffes Sightseeing-Programm abzuspulen, haben wir uns einfach auf unser Moped geschwungen und sind durch die kleineren Gassen und die typischen Viertel der Einheimischen gefahren. Es ist immer wieder faszinierend, wie herzlich die Menschen hier sind. Überall wird gelächelt, gewunken oder kurz geplaudert. Vietnam hat einfach diesen ganz eigenen Vibe, der sich so schwer beschreiben lässt, aber uns jedes Mal aufs Neue verzaubert.

Für uns steht mittlerweile fest: Da Nang ist der absolute „Place to be“, wenn man einen Mix aus allem sucht. Du hast den kilometerlangen Strand direkt vor der Nase, die lebendige Stadt mit ihren Brücken und Märkten und dazu noch die Kultur direkt um die Ecke. Es gibt hier wirklich an jeder Ecke etwas zu entdecken.

 

Am Nachmittag wurde es dann aber doch noch mal kurz stressig. Wir bekommen ja in einer Woche Besuch aus der Heimat, worauf wir uns riesig freuen! Aber dann kam die Nachricht: Das Visum einer Freundin wurde jetzt schon zum zweiten Mal abgelehnt. Da kriegt man dann doch kurz Panik und fängt an zu zittern, ob das bis zum Abflug alles hinhaut. Wir drücken jetzt alle Daumen (und Zehen), dass die vietnamesischen Behörden beim dritten Anlauf ein Auge zudrücken und alles glattgeht. Es wäre so schade, wenn sie nicht mitkommen könnte!

(Aber davon gehen wir gar nicht erst aus!)

 

Um den Kopf nach dem ganzen Visum-Chaos wieder frei zu bekommen, haben wir uns am späten Nachmittag nochmal auf den Weg Richtung Son Tra gemacht.

 

Die Halbinsel Son Tra (Monkey Mountain)

Son Tra ist das grüne Herz von Da Nang. Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet, das weit ins Meer ragt und für seine unglaubliche Artenvielfalt bekannt ist – besonders für die seltenen Rotschenkligen Kleideraffen. Die kurvigen Straßen führen durch dichten Dschungel und bieten immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den Ozean und die Bucht von Da Nang.

 

Dort haben wir eine kleine, unscheinbare Aussichtsplattform entdeckt, auf der eine einheimische Familie frische Kokosnüsse verkaufte. Wir haben nicht lange gezögert, uns zwei Nüsse geschnappt und uns einfach an den Rand gesetzt. Mit der kühlen Kokosmilch in der Hand haben wir zugesehen, wie die Sonne langsam im Meer unterging und den Himmel in die wildesten Farben gefärbt hat. In solchen Momenten ist der ganze Stress um Visa oder verpasste Bestellungen sofort vergessen - besser geht’s nicht!

 

Donnerstag:

Der Wecker war heute wieder gnadenlos: 5:00 Uhr morgens. Warum man sich das freiwillig antut? Ganz einfach: Sprints! Auf dem Plan standen 600-Meter-Intervalle – und zwar „All-out“, also so schnell, wie die Beine tragen, gefolgt von nur 90 Sekunden Pause. Während ich da keuchend über den Asphalt gesprintet bin und um jedes bisschen Sauerstoff gekämpft habe, kam mir der vietnamesische Wahnsinn entgegen: Die Einheimischen hier joggen völlig entspannt in Flip-Flops oder Crocs an dir vorbei, als wäre es nichts. Man merkt richtig, dass die Stadt im Sport-Fieber ist.

Und das hat einen Grund: Am kommenden Sonntag findet hier der erste asiatische Ironman statt! Und drei mal dürft ihr raten, wo genau? Richtig, direkt hier in Da Nang.

 

Ironman 70.3 Vietnam

Da Nang ist mittlerweile ein fester Hotspot für den Ironman 70.3 (die sogenannte Mitteldistanz) und heuer findet zum ersten Mal der „richtige“ Ironman hier statt. Athleten aus aller Welt kommen hierher. Die Strecke gilt als besonders hart, weil die Luftfeuchtigkeit und die Hitze in Zentralvietnam den Körper extrem fordern. Wir haben uns also zielsicher die vollste Woche ausgesucht: Erst die vietnamesische Haupturlaubswoche Anfang Mai und jetzt das riesige Sport-Event – es ist also richtig was los in der Stadt!

 

Nach den Sprints haben Kosi und ich uns aber nicht direkt ins Bett verkrümelt. Wir haben unsere Matten geschnappt und direkt am Meer noch eine 40-minütige Pilates-Einheit drangehängt. Danach gab es das obligatorische Power-Frühstück, bevor wir uns gegen 9:00 Uhr endlich mal das gönnten, was man im Urlaub eigentlich macht: Strandzeit!

 

Wir verbrachten den Vormittag am berühmten My Khe Beach.

 

Dieser Strand wurde vom Forbes Magazine einst zu einem der attraktivsten Strände der Welt gekürt. Er erstreckt sich über Kilometer mit feinem, weißen Sand und kristallklarem Wasser. Das Kuriose: Tagsüber ist er fast menschenleer! Die Einheimischen meiden die Sonne zwischen 9:00 und 16:00 Uhr extrem, da sie Blässe als Schönheitsideal schätzen und die Hitze meiden. Erst wenn die Sonne untergeht, wird der Strand wieder zum riesigen Spielplatz.

 

Während Kosi im Sand tief und fest geschlafen hat, wurde mir nach einer Weile natürlich wieder fad. Ich bin einfach kein Typ für langes Rumsitzen! Also habe ich Kosi kurzerhand wachgewwckt und wir sind eine große Runde am Ufer spazieren gegangen, um uns danach einen eiskalten Kaffee zu gönnen.

Dabei kam Kosi plötzlich eine Erleuchtung, während er am Handy tippte: „Wir müssen die Moped-Miete verlängern!“ Er hat doch tatsächlich ein lokales Fußballspiel für morgen entdeckt und da will er unbedingt hin. Also sind wir direkt zum Verleih gedüst und haben unseren Roller bis zum 9. Mai verlängert – für sage und schreibe 4 €. Vietnam-Preise sind einfach unschlagbar!

Danach ging es dann noch in ein richtig schönes veganes Restaurant, um die Speicher wieder aufzufüllen.

 

Wir sind am Nachmittag einfach nochmal losgezogen, ganz ohne Ziel.

Und weil wir nach den Sprints und dem Pilates am Morgen unsere Muskeln so richtig gespürt haben, gab es noch eine Runde Massage. Ich sags euch, das ist hier wie eine Sucht – wenn man einmal damit anfängt, will man jeden Tag! Es gibt einfach nichts Besseres, als wenn einem die Verspannungen vom Laufen mal so richtig weggeknetet werden.

Danach war bei uns aber endgültig die Luft raus. Wir sind super früh ins Bett gefallen.

 

Freitag:

Um 3:50 Uhr klingelte heute schon wieder der Wecker. Tagwache! Da heute ein langer Lauf auf dem Plan stand, gab es keine Ausreden. Wir sind um 4:20 Uhr mit dem Moped losgefahren, damit wir pünktlich um 4:30 Uhr am Strand loslaufen konnte.

Auf meinem Plan stand ein „Zone 2“-Lauf. Das bedeutet, ich muss ganz langsam laufen, um meinen Puls niedrig zu halten. Ich sage es euch ehrlich: Das ist mein absoluter Hass-Lauf. Es ist so langsam, dass es sich fast nicht wie Sport anfühlt und nach einer Weile wird es einfach nur fad. Aber für das Marathon-Training ist es wichtig, also habe ich es durchgezogen.

Während ich so am Strand entlanglief, passierte aber etwas Merkwürdiges. Überall standen Menschen in den gleichen Trikots, die mich anfeuerten, jubelten und mir am Rand Wasser anboten. Ich war zwar verwundert, habe mir aber erst mal nichts weiter dabei gedacht und bin einfach weitergelaufen. Erst nach eineinhalb Stunden habe ich umgedreht.

Beim Rückweg wurde mir dann klar, was hier eigentlich los war: Heute fand ein offizieller 5-Kilometer-Lauf für Kinder und Erwachsene statt. Ich lief quasi mitten in die Veranstaltung hinein und sah gerade den Zieleinlauf und die vielen Menschen mit ihren Medaillen. Kosi und ich haben uns total geärgert. Wir hatten uns im Vorfeld so viel informiert, aber nirgendwo stand etwas von diesem Lauf. Da wären wir natürlich sehr gerne mitgelaufen, allein schon als Erinnerung an unsere Zeit hier. Aber gut, es war auch so ein schöner Lauf. Kosi hat am Ende auf mich gewartet und wir sind die letzten Meter gemeinsam zurück zum Moped spaziert.

Nach dem Frühstück zu Hause haben wir angefangen, die Gegend nach „Must See“-Orten abzusuchen. Wir haben auch einige coole Sachen gefunden, aber ich kann hier im Blog leider noch nicht alles verraten. Nächste Woche kommt ja unser Besuch und wir wollen, dass sie überrascht werden und nicht vorher schon alles online lesen.

Ein praktischer Erfolg des Tages: Dank der Ironman-Woche gibt es hier gerade viel mehr Sportläden als sonst. Wir haben tatsächlich zum ersten Mal seit drei Monaten richtige Lauf-Gels gefunden! Die hätte ich heute bei meinem fast dreistündigen Lauf gut gebrauchen können. Ohne Gels merkt man extrem, wie der Kohlenhydratspeicher im Körper leer wird und die Kraft nachlässt. Für die nächsten langen Läufe sind wir jetzt aber vorbereitet.

Später kamen wir an einem vegetarischen Restaurant vorbei, das im Michelin-Guide steht. Das mussten wir natürlich testen. Wir haben die vier „Best Seller“-Gerichte bestellt, dazu eine Kokosnuss und ein Wasser. Insgesamt haben wir 11 € bezahlt. Das Essen war okay, aber ganz ehrlich: Für mich war das keinen Michelin-Stern oder eine besondere Erwähnung wert. Man bekommt an fast jedem einfachen Street-Food-Stand das gleiche oder sogar besseres vegetarisches Essen. Es war eine Erfahrung, aber wir bleiben wohl lieber bei den lokalen Ständen.

 

Nach dem Essen sind wir noch ein bisschen durch die Gegend gestreift und haben eine riesige Spielhalle entdeckt. Da gab es wirklich alles an Games, was man sich vorstellen kann, aber wir haben uns heute zurückgehalten. Wir hatten nämlich ein ganz anderes Ziel: das Stadion.

Heute fand eines der größten Fußballspiele hier statt: Da Nang gegen Ho-Chi-Minh-Stadt. Kosi wollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen. Um sicherzugehen, dass wir auch wirklich reinkommen, waren wir schon eine Stunde vor Anpfiff da, um Tickets zu kaufen. Der Preis war der Wahnsinn: 2 € pro Ticket! Im Endeffekt war gar nicht so viel los, wir hätten uns also gar nicht so stressen müssen, aber so konnten wir uns in Ruhe einen Platz mitten unter den Einheimischen suchen.

Die Stimmung war von Anfang an richtig gut. Kosi ist dann los, um uns Wasser zu holen und kam mit zwei Plastikbeuteln zurück. Hier wird Wasser oft einfach in Tüten serviert – das sieht dann aus wie ein Goldfischbeutel mit einem Strohhalm drin. Wir mussten echt lachen, weil das Trinken daraus einfach total lustig aussieht.

Als das Spiel dann losging, wurde es richtig laut. Es wurde geschrien, gejubelt und geflirtet. Es gab sogar eine richtige Fankurve, die ihre eigenen Lieder gesungen hat – klang alles sehr asiatisch, aber es hat richtig Spaß gemacht zuzuhören. Überhaupt war die Stimmung im ganzen Stadion ein Traum. Egal ob Frauen, Männer, Kinder oder ältere Leute: Alle haben mitgefiebert und geschrien.

Wir haben uns total anstecken lassen und richtig mitgefiebert. Zum Glück hat Da Nang das Spiel am Ende mit 2:0 gewonnen, was die Stimmung natürlich zum Überkochen gebracht hat. Nach dem Spiel haben wir uns wieder auf unser Moped geschwungen und sind die 40 Minuten zurück nach Hause gefahren. Wir waren danach so platt von der Sonne und den vielen Eindrücken, dass wir nur noch ins Bett gefallen sind. Was für ein Tag!

 

Samstag:

Der Samstag startete für uns fast schon wie ein Ausschlaftag – Kein Wecker!! Aber um 6 waren wir trotzdem wach.Viel länger hält man es im Zimmer aber sowieso nicht aus. Die Hitze drückt morgens schon ordentlich rein und da die Klimaanlage direkt über unseren Köpfen hängt, lassen wir sie nachts aus, um nicht krank zu werden.

Nach einem schnellen Proteinshake ging es direkt ins Gym. Ich habe es ruhig angehen lassen und mich auf die Mobilisation von Knien und Hüfte konzentriert, damit mein Körper fit für die nächsten Läufe bleibt. Kosi dagegen hat mal wieder komplett Vollgas gegeben.

Anschließend sind wir mit dem Moped in die Stadt zum Frühstücken gedüst. Kosi hat sich zwei Brote mit Pilzen und veganer Pastete gegönnt, während ich eine fruchtige Smoothie-Bowl hatte. Richtig lecker und genau der richtige Treibstoff für den Tag.

 

Da unser Besuch bald kommt, haben wir danach eine Location getestet, die wir auf Instagram entdeckt hatten: das Café 34 Tropical.

Dieses Café ist ein echtes Erlebnis für die Sinne. Schon beim Betreten läuft man durch eine Art künstlichen Nebelwald mit echtem Moos, Farnen und tropischen Pflanzen. Durch Wasserzerstäuber wird eine mystische Atmosphäre geschaffen, die an einen tiefen Dschungel erinnert. Es ist extrem fotogen und ein absoluter Hotspot für alle, die das perfekte Urlaubsfoto suchen.

 

Die Optik war wirklich magisch, aber leider hielt der Rest nicht ganz mit. Der Kaffee war eher mittelmäßig und die Bedienung nicht besonders aufmerksam. Also: Super Ort für Fotos und um eine Stunde mit Nina zu telefonieren (was wir auch gemacht haben), aber kulinarisch kein Muss.

 

Danach stand ein Besuch im Adidas Store an. Kosi hat ein kleines Problem: In Vietnam gibt es Schuhe meistens nur bis Größe 45, er braucht aber 47. Er hat trotzdem ein kleineres Modell anprobiert, aber das war natürlich viel zu eng. Da seine Zehen vom vielen Training nicht mehr besonders gut aussehen, haben wir jetzt kurzerhand Schuhe nach Hause bestellt. Wir hoffen einfach, dass sie pünktlich ankommen und unser Besuch sie uns für den Marathon mitbringen kann. (Jap, wir sind wiedermal am letzten Drücker)

Am Nachmittag haben wir schweren Herzens unser Moped zurückgegeben. Die Rückgabe war völlig unkompliziert und schnell erledigt. Ohne fahrbaren Untersatz sind wir dann zu Fuß weiter, haben uns einen Kaffee geholt und uns mit Schokomousse und Tiramisu belohnt.

 

Beim anschließenden Strandspaziergang hörten wir plötzlich extrem laute Musik. Wir sind der Sache nachgegangen und direkt in ein riesiges Event gestolpert: Ein internationales Wrestling-Turnier!

World Championship Wrestling in Da Nang:

Es ist ziemlich ungewöhnlich, aber Da Nang war an diesem Wochenende Schauplatz für ein großes Wrestling-Event, bei dem Athleten aus verschiedenen Ländern gegeneinander antraten. Das Ganze war wie eine riesige Show aufgezogen, inklusive dramatischer Musik und viel Entertainment drumherum.

 

Wir kamen genau zum Start um 15 Uhr, aber leider wurde erst mal eine ganze Stunde lang nur geredet. Wir standen in der prallen Hitze und haben ordentlich geschwitzt, bis es um 16 Uhr endlich losging. Es war wirklich interessant anzusehen, aber da wir beide keine Ahnung von Wrestling haben, sind wir nach 30 Minuten weitergezogen – die Sonne war einfach zu stark.

Zur Abkühlung gab es eine Fußmassage für 4 € pro Stunde. Das war pure Erholung! Man bekam sogar ein Kirschkernkissen für den Nacken und eines für die Augen. Danach sind wir zurückgelaufen zur Unterkunft und kamen am Ironman-Gelände vorbei, wo gerade die Startunterlagen ausgegeben wurden. Überall standen riesige Zelte mit Sportkleidung und die Fahrräder dort waren der Wahnsinn – ich glaube, da war kein Rad unter 10.000 € dabei! Wir sahen eine Weile allem zu - es war so spannend.

 

Da wir kein Moped mehr hatten, sind wir eine ganze Stunde nach Hause spaziert. Kurz vor der Unterkunft haben wir uns per Grab-App noch ein riesiges Abendessen bestellt: Suppe, Reis, Tofu, veganes Hühnchen, Reis, Summerrolls und Pommes für insgesamt nur 10 €. Dann lagen wir mit vollen Bäuchen vor dem iPad, schauten einen Film und genossen den entspannten Abend.

 

Sonntag

Der Sonntag startete für uns beide sportlich, aber etwas entspannter als sonst. Wir haben gemeinsam eine 45-minütige Pilates-Einheit durchgezogen. Ich muss Kosi echt loben – er war richtig brav und hat die volle Zeit mit mir auf der Matte gekämpft!

Danach haben wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt gemacht, um uns den Ironman anzusehen. Wir waren gerade erst an der Radstrecke angekommen, als wir direkt Zeugen eines heftigen Sturzes wurden. Ein Radfahrer verhedderte sich unglücklich in der Absperrung und stürzte so schwer, dass er das Rennen scheinbar abbrechen musste. Das war wirklich ein trauriger Moment, man hat richtig mit ihm mitgefühlt, wenn man bedenkt, wie viel Training in so einem Tag steckt.

Im Stadtzentrum war die Stimmung dann aber gigantisch. Alles war riesig aufgebaut, überall Musik und Menschenmassen. Es war fast schon surreal: Auf der rechten Seite sah man die Ironman-Athleten schwitzen und auf der linken Seite fand direkt am Strand ein Beach-Wrestling-Turnier statt. Wir sind eine ganze Weile dort geblieben und haben uns das bunte Treiben angesehen. Es war einfach extrem spannend, diese sportliche Energie in der ganzen Stadt aufzusaugen.

 

Nachdem wir unseren Kaffee getrunken hatten, sind wir weiter durch die Stadt gewandert. Als wir schließlich bei einem veganen Restaurant für eine Essenspause einkerten, hatten wir schon stolze 20.000 Schritte auf der Uhr. Danach ging es erst mal zurück in die Unterkunft, um die Beine hochzulegen. Ein bisschen Ausruhen war auch dringend nötig, denn um 18:00 Uhr stand für uns noch ein ganz besonderes Highlight an: der Wings for Life World Run.

 

Das ist ein weltweiter Spendenlauf, der zur gleichen Zeit rund um den Globus stattfindet – egal ob Tag oder Nacht. Das Besondere: Es gibt keine Ziellinie. Stattdessen nimmt 30 Minuten nach dem Start das „Catcher Car“ (in unserem Fall eine virtuelle App-Version) die Verfolgung auf. Sobald man überholt wird, ist das Rennen für einen beendet. Das gesamte Startgeld fließt direkt in die Rückenmarksforschung.

 

Wir sind schon extrem gespannt, wie es uns dabei ergehen wird. Da in Da Nang wegen des Ironmans noch immer viele Straßen abgesperrt sind, wird unser Lauf vermutlich eher ein kleiner Hindernisparcours zwischen Absperrgittern und Zuschauern. Aber genau das macht es ja spannend! Wie viele Kilometer wir am Ende geschafft haben, bevor uns das virtuelle Auto eingeholt hat, erfahrt ihr dann nächste Woche.

 

Das war’s auch schon wieder mit dem Update für diese Woche. Wir sind jetzt schon völlig aus dem Häuschen, weil wir nächste Woche endlich Besuch bekommen! Wir freuen uns riesig darauf, unser Abenteuer nicht mehr nur zu zweit, sondern….. zu sechst!!! zu teilen.

Bis bald und danke fürs Mitlesen!

 

Bussi Baba,

Kosanni

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