Wir sagen Dankeschön!

Veröffentlicht am 16. Juni 2026 um 03:06

Nach so vielen „Guten Morgen“, „Guten Mittag“ und „Guten Abend“ ist es nun an der Zeit, „Goodbye“ zu sagen.

Wenn wir auf die vergangenen (bald) 595 Tage zurückblicken, dann sehen wir nicht nur Länder, Orte und Sehenswürdigkeiten. Wir sehen Erinnerungen. Entscheidungen. Begegnungen. Gefühle. Momente, die wir nie wieder vergessen werden.

 

Es gab so viele erste Male.

Das erste Mal an die Möglichkeit einer Weltreise zu denken. Das erste Mal die Rucksäcke zu packen. Das erste Mal Abschied zu nehmen. Das erste Mal ohne ein Zuhause aufzuwachen. Das erste Mal Kiwis in Neuseeland zu entdecken. Das erste Mal mit Flip-Flops durch die Slums von Mumbai zu spazieren. Das erste Mal ängstlich in einem Camper in Australien aufzuwachen. Das erste Mal mehrere Tage ohne Handyempfang und Kontakt zur Außenwelt auf kleinen Inseln zu verbringen. Das erste Mal auf Safari in Tansania zu gehen. Das erste Mal in einem Wadi zu baden. Das erste Mal Taiwan mit dem Fahrrad zu umrunden. Das erste Mal vor den Pyramiden in Ägypten zu stehen. Das erste Mal die Schönheit der Chinesischen Mauer aufgrund der Menschenmassen kaum genießen zu können. Das erste Mal mit einer wundervollen Familie in Sri Lanka Cricket zu spielen. Das erste Mal das Lichtermeer von Hoi An zu sehen. Das erste Mal in asiatischen Schlafbussen unterwegs zu sein. Das erste Mal Karaoke in Japan zu singen. Das erste Mal einem Lemuren aus Madagaskar zu begegnen, der uns sofort an King Julien erinnert hat.

 

Und heute merken wir, dass aus vielen dieser ersten Male inzwischen letzte Male geworden sind.

Ein letztes Mal Pilates am Strand. Ein letztes Mal an einem Straßenstand ein unbekanntes Gericht bestellen. Ein letztes Mal auf einem Roller durch eine fremde Stadt fahren. Ein letztes Mal den Sonnenuntergang an einem Ort erleben, den wir zuvor nicht einmal auf einer Karte gefunden hätten. Ein letztes Mal morgens aufzuwachen und nicht genau zu wissen, was der Tag bringen wird. Ein letztes Mal diese Leichtigkeit zu spüren, die entsteht, wenn der einzige Plan darin besteht, weiterzureisen.

 

Natürlich wissen wir nicht, ob es wirklich die letzten Male für immer waren. Für diese Reise ganz bestimmt. Aber wir kennen uns. Und wir wissen, dass wir schon wieder neue Ideen, neue Ziele und neue Träume haben. Vielleicht wird es irgendwann wieder ein erstes Mal geben.

Trotzdem fällt es uns schwer, all das hinter uns zu lassen.

Viele Menschen haben uns gefragt, ob die Rückkehr nach Hause eine große Umstellung werden wird.

Und tatsächlich glauben wir das gar nicht.

Denn das Erstaunliche am Menschen ist, wie schnell er sich an neue Lebensumstände gewöhnt. Aber genauso schnell gewöhnt er sich auch wieder zurück. Was heute noch außergewöhnlich erscheint, wird irgendwann normal. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum wir oft vergessen, wie besonders gewisse Lebensphasen eigentlich waren.

Kosi und ich waren nie die klassischen Langzeitreisenden, die den ganzen Tag am Strand liegen und von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang leben, spät aufstehen, spät schlafengehen. Wir hatten unsere Routinen. Wir standen (fast) immer früh auf. Wir machten Sport. Wir planten. Wir organisierten. Wir waren ständig unterwegs. Wir hatten kaum Rasttage.

 

Und genau deshalb möchten wir auch eines klar sagen:

Reisen und Urlaub sind nicht dasselbe.

Urlaub bedeutet für viele Menschen abschalten, entspannen, in den Tag hineinleben, den Kopf abschalten und genießen. Wirkliches Reisen bedeutet viel organisieren, planen, recherchieren und Entscheidungen treffen. Es bedeutet, sich ständig auf neue Situationen einzustellen. Neue Kulturen. Neue Regeln. Neue Menschen. Neue Unterkünfte. Neues Essen. Neue Herausforderungen. Jeden Tag aufs Neue zu recherchieren, was es zu entdecken gibt.

Zum hundertsten Mal einen Rucksack auspacken und am nächsten Morgen wieder einpacken. Stundenlang nach Unterkünften suchen. Sich über Visa, Grenzübergänge, Transfers und Sicherheitslagen informieren. Sich jeden Tag erneut orientieren. Immer wieder herausfinden, wie Dinge funktionieren.

Und genau deshalb können wir heute sagen:

Es war wunderschön.

Und es war anstrengend. Ja! Anstrengend. Auch wenn viele nun sagen werden: Ach, ihr hattet doch genug Zeit zum Abschalten und Entspannen. Doch viele sehen nicht, wie viel Planung und Organisation hinter dem Ganzen steckt. Wie mühsam Reisetage low Budget sind, wie es ist, sich tagelang unwohl in Unterkünfte zu fühlen, nur um etwas Geld einzusparen. Klar ist Reisen schön, aber halt auch anstrengend.

Beides gleichzeitig.

Und genau das hat diese Reise so besonders gemacht.

Ich bin unglaublich dankbar für alles, was wir erleben durften. Und gleichzeitig freue ich mich nun auch wieder auf den Alltag. Wobei ich mir ja ehrlich gesagt, so ein Leben im Ausland gut vorstellen könnte - doch Kosi spielt da leider gar nicht mit.

Also dann doch lieber gemeinsam zurück, bevor ich irgendwo am schönsten Fleckchen Erde hocke und ohne ihn bin.

Wenn ich so auf Zuhause blicke, freue ich mich auf gewisse Routinen.

Auf ein Zuhause.

Auf einen Kleiderschrank.

Auf ein Badezimmer, das nur uns gehört und nicht mit fremden Personen geteilt werden muss.

Auf eine Küche, in der alles seinen festen Platz hat (im besten Fall ohne Ameisen).

Auf Schwarzbrot.

Auf einen frischen Salat.

Auf eine Couch, die für uns ein Entspannungsort ist.

Auf ein Bett, in dem man sich nicht jeden Abend fragt, welche Überraschungen dort vielleicht noch auf einen warten.

Auf Kleidung, die man sich selbst aussuchen kann und nicht seit Wochen dieselbe ist. Mangels Optionen.

Auf Routinen.

Auf Verlässlichkeit.

Auf Normalität.

Und ja, ich freue mich sogar wieder auf geregelte Arbeit.

Vor allem freue ich mich aber auf die kleinen Dinge, die man oft erst dann zu schätzen lernt, wenn man lange darauf verzichten musste.

Auf selbst gekochtes Essen.

Auf feste Essenszeiten.

Auf vertraute Geschmäcker. Wir versuchten zwar wirklich, uns gesund zu ernährend, doch wir brauchen endlich mal wieder geregelte Uhrzeiten fürs Essen, keine neuen Gerichte, neuen Gewürze, neue Speisen. Ich freu mich auf Lebensmittel, die nicht jeden Tag anders sind.

Auf das Gefühl, dass der Körper wieder seinen Rhythmus findet.

 

Und ich freue mich auch auf etwas, das vielleicht viele nicht verstehen werden:

Ein bisschen Zeit für mich.

Einfach mal alleine einen Kaffee trinken. Alleine auf der Couch liegen. Alleine telefonieren. Alleine im Badezimmer sein. Eine Wohnung zu haben, in der wir uns für ein paar Minuten aus dem Weg gehen können. Eine Toilette zu haben, die verschließbar ist. Und auch wenn das nun nach etwas jammern anhört, aber es gab keinen Moment, an dem ich mir dachte: „jetzt nervt er mich aber wirklich.“

Während unserer Reise haben wir teilweise wochenlang auf engstem Raum zusammengelebt. Wir haben im Auto geschlafen, in winzigen Zimmern gewohnt und Unterkünfte gehabt, in denen es kaum Privatsphäre gab, offene Toiletten, stinkende Zimmer, Bettwanzen und vieles mehr gemeinsam erlebt.

Und trotzdem würde ich keine einzige dieser Erinnerungen mit jemand anderem teilen wollen als mit Kosi.

Denn wenn uns diese Reise eines gezeigt hat, dann wie gut wir als Team funktionieren.

Natürlich hatten wir auch schlechte Tage. Natürlich waren wir manchmal müde, genervt oder überfordert. Aber wir haben immer wieder zueinander gefunden. Wir haben Lösungen gesucht. Wir haben Kompromisse gemacht. Und wir haben gelernt, dass eine Weltreise nicht nur Länder zeigt, sondern auch den Menschen an deiner Seite.

 

Ich glaube, ich werde noch viele Monate brauchen, um all das zu verarbeiten.

All die Orte.

All die Begegnungen.

All die Erinnerungen.

All die Gefühle.

Und wenn ich an die vielen Gespräche mit Kosi zurückdenke, dann fällt mir vor allem eines ein:

Sein Wunsch nach Sicherheit.

Ein Zuhause.

Ein Arbeitsplatz.

Eine Perspektive.

Etwas, das bleibt.

Während ich oft diejenige war, die gesagt hat: „Warum bleiben wir nicht einfach hier? Schau dich doch um.“ Ist Kosi immer der, der seine Sicherheit braucht im Leben.

Doch genau dieser Unterschied zwischen uns hat uns immer gutgetan.

Denn Sicherheit und Abenteuer schließen sich nicht aus. Sie brauchen einander.

Nur darf man Sicherheit nicht mit Bequemlichkeit oder einfach dem „Bekannten“ verwechseln. Natürlich wäre es unsicher, irgendwo in der fremden Welt ein neues Leben anzufangen. Aber auch nur, weil es uns unbekannt ist. Weil es neu für uns ist. Denn auch die Sicherheit kann dich unglücklich machen.

Zu viel Sicherheit kann dazu führen, dass man sich nicht mehr traut, Neues zu wagen. Zu viel Abenteuer kann dazu führen, dass man nie wirklich ankommt.

Und irgendwo dazwischen liegt wahrscheinlich das richtige Gleichgewicht.

Durch diese Reise habe ich gelernt, dass Zuhause kein Ort ist, den man auf einer Karte markiert. Zuhause ist dort, wo die Menschen sind, mit denen man sein Leben teilen möchte. Und Kosi ist mein Zuhause.

Und deshalb freue ich mich auf die Rückkehr.

Nicht weil die Reise vorbei ist.

Sondern weil ich weiß, mit wem ich zurückkehre.

 

Und falls ihr unseren Blog bis hierher verfolgt habt oder vielleicht irgendwann unser Buch lest, dann möchten wir euch noch etwas mitgeben:

Wir leben alle zum ersten Mal. Keiner von uns hat einen Plan für alles. Keiner von uns kennt die perfekte Entscheidung. Keiner von uns weiß, wie eine Geschichte ausgeht, bevor er sie lebt.

Deshalb wartet nicht immer auf den perfekten Zeitpunkt.

Geht euren Wünschen nach. Traut euch. Probiert Dinge aus. Bewerbt euch auf den Job. Bucht die Reise. Fangt mit dem Hobby an. Trefft Entscheidungen, die euch glücklich machen.

Denn die meisten Dinge scheitern nicht daran, dass sie unmöglich sind. Sie scheitern daran, dass wir uns nie getraut haben, sie zu versuchen.

Vielleicht klappt nicht alles.

Vielleicht läuft manches anders als geplant.

Vielleicht stellt ihr fest, dass ein Traum in der Realität ganz anders aussieht als in eurer Vorstellung.

Aber dann wisst ihr es wenigstens.

Und ihr müsst euch nie fragen, was gewesen wäre, wenn. Und kommt mir ja nicht mit „dafür bin ich ja schon zu alt!“ Denn das sind nur blöde Ausreden.

 

Wir würden heute nichts anders machen.

Keinen Flug.

Kein Land.

Keine Entscheidung.

Keinen Umweg.

Keine Herausforderung.

Keine Unsicherheit.

Denn all das hat uns genau zu diesem Moment geführt.

 

Und nun beginnt für uns ein neues Kapitel. Ohne Flugtickets. Ohne Visaanträge. Ohne Routenplanung. Ohne tägliches Kofferpacken.

Einfach das Leben.

Wir kehren zurück zu unserer Familie. Zu unseren Freunden. In eine gemeinsame Wohnung. In unseren Alltag. In unser bisheriges Leben.

Und das macht uns glücklich.

Aber wenn wir ehrlich sind, macht es uns auch ein bisschen nervös.

Denn während wir 595 Tage unterwegs waren, ist die Welt zuhause nicht stehen geblieben. Menschen haben sich verändert. Situationen haben sich verändert. Wir haben uns verändert. Es ist unglaublich viel Zeit vergangen.

Und gleichzeitig fühlt es sich an, als wären wir erst gestern losgefahren.

Was uns nun erwartet, wissen wir nicht.

Aber vielleicht ist genau das das Schöne daran. Denn jede Reise endet irgendwann. Doch das Leben geht weiter.

 

Und auch dieses Kapitel wird wieder voller erster Male sein.

Danke, dass ihr uns begleitet habt.

Danke für jede Nachricht.

Danke für jedes Mitfiebern.

Danke für eure Unterstützung.

Danke für eure Zeit.

Danke, dass ihr Teil dieser Reise wart.

Wir werden diese 595 Tage niemals vergessen.

Und euch auch nicht.

Bis bald.

 

Bussi Baba,

Kosanni

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