Heute begann der Tag deutlich früher – und vor allem völlig anders – als geplant. Nicht etwa der Wecker holte mich aus dem Schlaf, sondern Kosi, der bereits um 1:30 Uhr mit erneuten Magenproblemen im Badezimmer verschwand und dort praktisch den Rest der Nacht verbrachte. Viel Schlaf blieb uns beiden also nicht, doch wirklich lang wurde die Nacht ohnehin nicht, denn um 4:45 Uhr läutete dann schon der Wecker und signalisierte: Aufstehen, zusammenpacken, weiter geht’s.
Wir richteten die letzten Sachen, schulterten unsere Rucksäcke und machten uns noch im Halbdunkel auf den Weg hinaus. Ursprünglich wollten wir per App ein Taxi rufen, da die öffentlichen Busse erst ab 7 Uhr fahren – für unseren Flug eindeutig zu spät. Doch während wir gerade unseren Müll entsorgt hatten, stand plötzlich ein Taxifahrer neben uns und fragte direkt, ob wir zum Flughafen wollten. Ein besseres Timing hätte es wirklich nicht geben können. Nach kurzer Verhandlung einigten wir uns auf 7 Euro und wir nahmen das Angebot dankbar an. Damit hätten wir das Thema Transport schon einmal abgehakt.
Kurz vor sechs Uhr erreichten wir den Flughafen und reihten uns am Schalter ein. Es dauerte ein wenig, bis wir an der Reihe waren, aber die Wartezeit war nicht langweilig – im Gegenteil: Wir beobachteten fasziniert, wie wirklich jeder einzeln/e Passagier/in seinen/ihren Koffer oder Rucksack in die Gepäckmessung geben musste, um sicherzustellen, dass wirklich alles den Vorgaben entsprach. Nach über 30 Flügen war das tatsächlich das erste Mal, dass unser Gepäck überhaupt gemessen wurde – typisch Ryanair.
Zum Glück hatten wir gestern noch für 25 Euro das größere Gepäckpaket dazugenommen, weil Kosis Rucksack fünf Zentimeter zu groß war. Vor Ort hätte dieselbe Erweiterung heute stolze 75 Euro gekostet. Ein kleiner Sieg gleich zu Beginn des Tages.
Nachdem wir unser Gepäck abgegeben hatten, meinte Kosi scherzhaft, dass das Gepäcksschild an meinem großen Rucksack nicht besonders gut befestigt sei. Dieser Kommentar löste bei mir jedoch sofort Panik aus – schließlich ist unser Gepäck bislang immer problemlos mitgereist. Doch heute, ausgerechnet heute, wo wir morgen schon wieder weiterfahren würden, wäre es ein echtes Problem, wenn mein Rucksack nicht ankommen würde. Trotzdem konnte ich in diesem Moment nichts mehr tun, also musste ich versuchen, mich zu beruhigen.
Mit den kleinen Rucksäcken ging es weiter zur Sicherheitskontrolle. Dort wurde zuerst mein Rucksack aussortiert. Ich war etwas verwundert, doch der Sicherheitsmitarbeiter entdeckte sofort mein Proteinpulver und mein HerOne. Er öffnete das Pulver, roch daran, und ich erklärte ihm, dass es fürs Training sei. Er schmunzelte, griff dann zum HerOne, roch erneut daran und hörte sich meine Erklärung zur Frauengesundheit an. Er wirkte zwar skeptisch, ließ mich aber schließlich passieren.
Dann war Kosi an der Reihe – und auch sein Rucksack wurde zur Kontrolle herausgezogen. Bei ihm holten sie die Massagegun heraus, und der Sicherheitsbeamte sah uns fragend an. Kosi demonstrierte direkt, wie man sie einschaltet und wofür man sie benutzt. Der Mann hielt sie sich prompt an den Nacken, grinste breit und meinte nur: „Oh, it’s good.“ In diesem Moment mussten wir uns beide das Lachen verkneifen. Später scherzten wir sogar darüber, wie absurd die Situation gewesen wäre, wenn es statt einer Massagepistole ein Vibrator gewesen wäre, den der Beamte sich nichtsahnend an den Hals gehalten hätte.
Im Vorfeld hatten wir noch gegoogelt und zwei E-Mails von Ryanair erhalten, in denen stand, dass der Flughafen in Marrakesch oft überfüllt sei und man deshalb mehr als drei Stunden vorher dort sein solle. Doch all unsere Erledigungen – Check-in, Sicherheitskontrolle, alles – waren innerhalb von nur fünfzehn Minuten abgeschlossen. Viel los war am Flughafen tatsächlich nicht.
Also hieß es warten. Wir holten uns einen Kaffee und ein Weckerl von Starbucks, setzten uns hin und versuchten, ein wenig zur Ruhe zu kommen.
Um 8:30 Uhr durften wir schließlich in den Flieger einsteigen. Schon beim Hinsetzen waren wir völlig überrascht: So viel Beinfreiheit hatten wir seit Ewigkeiten nicht mehr! Wirklich unglaublich, wie viel Platz wir diesmal hatten. Jeder, der sich ständig über Ryanair beschwert, sollte wirklich einmal mit nationalen Fluglinien in Asien oder Afrika fliegen – dann würde man Ryanair plötzlich ganz anders schätzen. Wir waren jedenfalls mehr als zufrieden.
Beim Einsteigen fiel mein Blick nach draußen – und da sah ich tatsächlich meinen Rucksack am Gepäckband direkt neben dem Flugzeug. In diesem Moment fiel mir eine riesige Last von den Schultern. Er war also dabei. Ich konnte gar nicht beschreiben, wie erleichtert ich war.
Der Flug selbst dauerte nur etwa eineinhalb Stunden und kurz darauf setzten wir zum ersten Mal seit zwölf Monaten wieder auf europäischem Boden auf.
Es fühlte sich seltsam vertraut und gleichzeitig völlig surreal an. Und dann kam der Moment, der das alles noch greifbarer machte: das Ausschalten des Flugmodus. Plötzlich prasselten unzählige SMS, Nachrichten und verpasste Anrufinformationen herein – ein kleiner Sturm an digitaler Realität. Ab heute sind wir also wieder ganz normal erreichbar. Der Gedanke fühlt sich für mich noch immer merkwürdig an, fast unwirklich, als wäre unsere Rückkehr nach Europa nur ein Traum.
Wir holten unser Gepäck vom Band (ja, alles heil angekommen!) und gingen direkt zum Busbahnhof. Dort warteten wir etwa zwanzig Minuten, bis unser Bus kam. Für 19 Euro konnten wir beide bis nach Santa Cruz fahren – ein wirklich fairer Preis. Da ein Freund von mir auf Teneriffa lebt, nutzten wir die Fahrt gleich, um ihn nach den wichtigsten Spots zu fragen. Er schickte uns eine ganze Liste, die wir uns direkt notierten.
Gegen 12 Uhr – mit Zeitumstellung, denn zum ersten Mal sind wir eine Stunde hinter euch, statt voraus – kamen wir im Hotel an. Einchecken konnten wir jedoch erst ab 15 Uhr, also ließen wir unsere Rucksäcke dort und machten uns sofort auf den Weg, die Umgebung zu erkunden.
Wir spazierten in Richtung Auditorium, Palmetum und weiter Richtung La Laguna. Die Straßen wirkten lebendig, freundlich und vertraut. Als wir durch die kleinen Gassen schlenderten, beschlich uns ein Gefühl von heimischer Wärme – als wären wir nach langer Zeit wieder dort angekommen, wo alles etwas normaler für uns wirkt. Die Insel ist wirklich wunderschön.
Nach unserem ersten kleinen Spaziergang durch Santa Cruz gönnten wir uns etwas, auf das wir seit ganzen zwölf Monaten gewartet hatten: den ersten richtigen Aperol. Und ich schwöre, selten hat ein Aperol so gut geschmeckt wie dieser. Mitten in der warmen Nachmittagssonne, in Europa, auf einer hübschen Terrasse – es fühlte sich an wie ein kleines Ende unserer Reise. Dazu bestellten wir Paella, herrlich würzig, frisch und genau das, was wir nach all den Reisestrapazen gebraucht hatten. Ein Stück mediterranes Lebensgefühl, das uns beide sofort wieder erdete.
Gegen 15 Uhr gingen wir kurz zurück ins Hotel, legten die Beine hoch und gönnten uns ein paar Minuten Pause. Wirklich lange hielten wir es aber nicht im Zimmer aus – zu groß war die Neugier, die Insel am Abend zu erleben. Also machten wir uns erneut auf den Weg, diesmal mit dem Ziel, die Weihnachtsbeleuchtung zu bestaunen.
Und was soll ich sagen? Ich war vollkommen hin und weg. Die Stadt strahlte im Weihnachtsglanz, als hätte jemand die komplette Insel in ein Meer aus Weihnachtsdeko verwandelt. Jaaaaa!! So schön! Wir spazierten durch die Fußgängerzonen, vorbei an festlich dekorierten Bäumen, Lichterbögen, kleinen Marktständen und funkelnden Häusern. Am Hafen sahen wir den Kreuzfahrtschiffen zu und alles war warm, einladend und einfach wunderschön. Es war unser erster wirklicher Weihnachtsmoment dieses Jahres und ich konnte mich daran kaum sattsehen.
Und dann passierte noch etwas, das unseren Tag perfekt abrundete: Wir fanden endlich normale Schuhe für Kosi. Seit April suchen wir nach Sneakern in seiner Größe – aber in Asien und Afrika war Größe 46 einfach nicht aufzutreiben und in Dubai war alles unbezahlbar. Heute jedoch hatten wir Glück: Ein Paar weiße Reebok-Sneaker, die nicht nur passten, sondern auch richtig gut aussahen. Endlich kann er seine Laufschuhe beiseite legen und mit normalen Schuhen durch die Städte spazieren. Allein dafür hätte sich Teneriffa schon gelohnt.
Nach diesem kleinen Shopping-Erfolg und all den Eindrücken des Tages machten wir uns zufrieden auf den Rückweg ins Hotel. Kosis Magen musste sich noch erholen, also gingen wir früh ins Bett. Morgen geht es für uns schon wieder weiter – ein neuer Tag wartet.
Bussi Baba,
Kosanni
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